Porträt: Izzat Ibrahim war oft in Österreich

7. September 2004, 20:36
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Staatsanwaltschaft legte Anzeige wegen Kriegsverbrechen und Massenmordes zurück

Wien - Der frühere Stellvertreter Saddam Husseins, Izzat Ibrahim al Douri, der am Sonntag im Nordirak gefasst wurde und nach Ansicht Washingtons nach dem Sturz des alten Regimes einer der Drahtzieher des irakischen Widerstands wurde, hat Österreich wiederholt besucht, um sich verschiedenen medizinischen Behandlungen zu unterziehen. Als der Grünen-Politiker Peter Pilz 1999 Anzeige wegen Kriegsverbrechen und Massenmordes an Kurden durch Einsatz chemischer Waffen (1988 in Halabja) erstattete, wurde diese von der Staatsanwaltschaft Wien "wegen mangelnder Gründe" zurückgelegt.

Nach damaliger Darstellung des Innenministeriums wurden Izzat Ibrahim, der an Leukämie litt, "aus humanitären Gründen" Aufenthaltsgenehmigungen erteilt.

Als Erster Stellvertretender Vorsitzender des Revolutionären Kommandorates war Izzat Ibrahim die "Nummer 2" des irakischen Baath-Regimes. Laut offizieller Biographie wurde er 1942 in Tikrit geboren. Der ehemalige Journalist war Minister für Bodenreform unter Saddam Husseins politischem Ziehvater und Amtsvorgänger, Staatspräsident General Ahmed Hassan al Bakr, anschließend Landwirtschaftsminister und von 1974 bis 1979 Innenminister.

1979 wurde der Saddam-Loyalist nach der Ablösung von General Bakr Saddam Husseins Erster Stellvertreter. Seit 1979 gehörte Izzat Ibrahim, dessen Tochter mit Saddam Husseins Sohn Udai verehelicht war, auch dem irakischen Regionalkommando der panarabischen Sozialistischen Baath-Partei an.

Während der damalige FPÖ-Klubchef Peter Westenthaler im August 1999 die Aufenthaltsgenehmigung für Izzat Ibrahim als "peinlichen Kniefall" des sozialdemokratischen Innenministers Karl Schlögl vor einem "international geächteten, menschenverachtenden System" anprangerte und ein Einreiseverbot forderte, wurde Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider bei seinen Irak-Besuchen auch vom Saddam-Vize empfangen. Die Begegnungen sind in Haiders Buch "Zu Gast bei Saddam - Im 'Reich des Bösen'" dokumentiert. (APA)

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    Izzat Ibrahim war mehrmals zu medizinischer Behandlung in Wien.

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