Berlusconi fühlt sich als "Außenirdischer" betrachtet

6. September 2004, 19:56
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"Man schaut mich überrascht an" - Italiens Premier will Dialog mit gemäßigten arabischen Ländern fördern

Rom - Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi hat sich darüber beklagt, dass viele Menschen ihn als "Außerirdischen" betrachteten. "Man schaut mich überrascht an und wundert sich, dass der Unternehmer Berlusconi hier jetzt Regierungschef sein kann", sagte der Ministerpräsident am Samstag bei einer alljährlichen Tagung von Politikern und Geschäftsleuten am Comer See.

Er leite eine Koalitionsregierung mit einigen Parteien, "von denen manche Protagonisten mich immer noch als Außerirdischen betrachten". Seinerzeit habe er in die Politik gehen müssen, "um das Land zu retten", und jetzt befinde er sich in einer "wenig bequemen Lage", klagte Berlusconi.

Auch im Ausland schlage ihm Argwohn entgegen, sagte der Medienunternehmer, der zu den reichsten Bürgern seines Landes gehört: "Wenn ich mit Leuten spreche, die in ausländischen Regierungen wichtige Posten innehaben, schauen sie mich wie jemanden an, der in der Politik gelandet ist, weil ihm Fernsehsender gehört haben."

Berlusconi will Dialog mit gemäßigten arabischen Ländern fördern

Berlusconi hat den Westen zu einer engeren Kooperation mit den gemäßigten arabischen Ländern aufgefordert. Dies sei der einzige Weg, um auf die Terrorwelle zu reagieren, so Berlusconi bei einem Wirtschaftsseminar in Cernobbio am Comer See am Sonntag. "Italien hat stets gearbeitet, um den Dialog mit den gemäßigten arabischen Ländern offen zu halten. Es gibt eine Zusammenarbeit zwischen Islam und Christentum, die gefördert werden muss. Es gibt keinen anderen Weg, um den Terrorismus zu besiegen", meinte Berlusconi.

Auch Innenminister Giuseppe Pisanu sprach sich für eine engere Zusammenarbeit mit den in Italien lebenden gemäßigten Moslems zur Bekämpfung des fundamentalistischen Terrorismus aus. "In Italien wollen wir einen Islam fördern, der mit unseren Werten und Gesetzen verträglich ist. Um ein friedliches Zusammenleben zu fördern, muss die gemäßigte moslemische Gemeinschaft zu der totalitären Vision eines gewissen Teils des Islam auf Distanz gehen", sagte der italienische Innenminister. (APA/AFP/Red)

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