Gazastreifen: Militante Palästinenser besetzten Regierungsgebäude

7. September 2004, 16:51
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Protest gegen eingefrorene Gehälter - Forderungskatalog an Arafat

Gaza - Mehrere Dutzend militante Palästinenser haben am Sonntag im südlichen Gazastreifen vorübergehend ein Regierungsgebäude besetzt. Nach palästinensischen Angaben handelte es sich bei den maskierten und bewaffneten Männern um Mitarbeiter der Polizei, die seit mehreren Monaten ihr Gehalt nicht ausgezahlt bekommen hatten. Die Autonomiebehörde habe sie so für die Mitgliedschaft in radikalen Gruppen sowie die Teilnahme an bewaffneten Aktivitäten gegen Israel bestraft.

Forderungskatalog an Arafat

Bei ihrer rund einstündigen Besetzungsaktion in der Palästinenser-Verwaltung im Gaza-Streifen forderten die maskierten Männer von Palästinenser-Präsident Yasser Arafat einen Ausgleich für die Zerstörung von Häusern und Wohnungen durch die israelische Armee. Die Bewaffneten verließen das Büro in Khan Yunis wieder, nachdem die Behörden versprachen, den Forderungen entgegenzukommen.

"Wir brauchen Häuser für die Obdachlosen", sagte der Sprecher der Gruppe, Abu Mudschahed, der Nachrichtenagentur Reuters. Durch diese und vorhergehende Aktionen der Armee seien rund 160 Familien obdachlos geworden, sagte Mudschahed, dessen Gruppe sich nicht zu einer der einschlägigen palästinensischen Extremisten-Organisationen zählt. "Wir fordern Präsident Arafat auf, unsere berechtigten Forderungen zu unterstützen", sagte Mudschahed.

Aus Flüchtlingslager im Gaza-Streifen

Die Besetzer stammen nach eigenen Angaben aus einem Flüchtlingslager im Gaza-Streifen, in dem israelische Soldaten in der vergangenen Woche zwei Wohnblocks gesprengt hatten. Diese Wohnanlagen für Palästinenser waren von staatlichen österreichischen Mitteln im Rahmen eines Friedensprojekts mitfinanziert worden, wie Außenministerin Benita Ferrero-Waldner anlässlich des Besuchs des früheren EU-Nahost-Beauftragten Miguel Angel Moratinos beklagte.

Israel hatte die Häusersprengung damit begründet, dass militante Palästinenser die Wohnblocks für Angriffe auf Soldaten und jüdische Siedler genutzt hätten. Der Zerstörung der Blocks waren zwei Selbstmordanschläge palästinensischer Extremisten in der Stadt Bersheeba vorausgegangen, bei denen 15 Menschen ums Leben kamen. Die israelische Armee sprengt oft Häuser von Familien, wenn deren Angehörige vermutlich an Anschlägen beteiligt sind. Tausende Palästinenser mit all ihren Familienangehörigen sind nach UNO-Angaben dadurch obdachlos geworden.

Die protestierende Gruppe verlangte von Arafat auch Reformen zur Bekämpfung der Korruption, mehr Demokratie sowie die Absetzung inkompetenter und bestechlicher Mitglieder der Palästinenser-Führung. Im Gaza-Streifen ist in den zurückliegenden Wochen eine bisher beispiellose Gewalt unter Palästinensern aufgeflammt. Hintergrund sind wachsende Forderungen an Arafat, vehementer gegen Korruption vorzugehen sowie Machtkämpfe im Vorfeld des geplanten Abzugs der Israelis aus dem Gaza-Streifen. (APA/dpa/Red)

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