Ersatzlos gestrichen

6. September 2004, 11:25
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Kein Platz für Frauenmagazine: Immer mehr verschwinden aus den TV-Programmen - Eine Bestandsaufnahme

In den 70ern war Aufklärung an der Tagesordnung der Fernsehanstalten, zumindest in Deutschland. Die Frauenbewegung hatte es geschafft, dass in Diskussionssendungen mit kritisch-emanzipatorischem Anspruch diskutiert wurde, Reportagen, Filme, Themensendungen wurden installiert - Rahmenbedingungen des TVs ausgenutzt und -gedehnt.

Abgesetzt

Zehn Jahre später war alles wieder anders, vorrangig durch die Vergabe der Rundfunklizenzen an private Unternehmen, womit den Quoten oberste Priorität eingeräumt wurde und die öffentlich-rechtlichen Sender sich den Marktmechanismen gar nicht so widerwillig unterwarfen. Politische Aufklärung über "Frauenthemen" wurde an damals schon spärlich vorhandenen Frauenmagazine abgetreten, in den 90ern wurden selbst die marginalisiert und fristeten ihr Ghettodasein an unprominenten Sendeplätzen. Und im neuen Jahrtausend scheinen sie obsolet. Als wäre der Auftrag erfüllt, der gesellschaftliche sowie der Programm-. Absetzen heisst das Schlüsselwort. Ersatzlos gestrichen wurde das ORBsche Frauenmagazin "Ungeschminkt" nach der Zusammenlegung dieses Senders mit SFB. Frauensache, das ARD-Frauenmagazin, gibt es ebenfalls nicht mehr.

Vorbeigeschrammt

An dem Aus vorbeigeschrammt ist das Relikt unter den Frauenmagazinen, ML Mona Lisa, das jeden Sonntag um 18 Uhr zu sehen ist. Ups. War. Nachdem der ZDF Programm schon 2003 von einem langen Sportsonntag geschwärmt hatte, an dem ML nur stören würde, hat sich 2004 ein neuer Sendemodus ergeben: Nicht jeden Sonntag läuft das Format, nur jeden zweiten oder dritten. Diesen Monat (und wir schreiben erst Anfang September) gar nicht mehr. Nicht nur formal hat sich einiges verändert, auch die frauenspezifischen Themen sind in ML Randthemen geworden; Berichte wie über einen unschuldig als Vergewaltiger Beschuldigten oder Reisebeiträge, wie sie in jedem x-beliebigen Magazin vorkommen könnten, sind keine Ausnahmen. Eine im doppelten Sinn alte Moderatorin ist einer jungen gewichen, was einer sauer aufstoßen lässt, behandelte das einst sensible Programmformat oft auch Themen der Altersdiskiminierung speziell Frauen betreffend. Ob selbiges Schicksal das andere verbleibende Frauenmagazin in Deutschland - FrauTV auf WDR (Mittwochs 22:00 Uhr, Donnerstags Wiederholung um 13:30 und Samstags 15:15 auf 3sat) - ereilen wird, steht höchstwahrscheinlich in den Quoten-Berichten.

Endstation

Dem österreichischen öffentlich-rechtlichen Sender kann frau derartiges nicht vorwerfen, setzt er doch generell auf unpolitische Quotenhits, die sich bald als Flops entpuppen, statt auf unleidliche Emanzen-Programme. Bis Jänner 2004 wurden allerdings viele frauenspezifische Beiträge im verlängerten Wohnzimmer aka Willkommen Österreich über/von interessante/n Frauen etabliert. Mit dem neuen Sendeverantwortlichen Christian Hillinger hat auch das ein Ende gefunden. (bto)

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    Der unaufhaltsame Abstieg des Formats "Frauenmagazin"
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