Forum Alpbach: Die Medien auf der Suche nach europäischer Identität

13. September 2004, 13:41
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Vernetzter "Europa-Desk" aller Nachrichtenagenturen angeregt

"Kopfgeburt Europa" muss emotional attraktiver werden -

Eine europäische Identität gibt es nicht - nicht zuletzt weil es keine wirklich europäischen Medien gibt. Diese These formulierten Journalisten, Medienmanager und Politiker am Samstag bei der traditionellen Schlussveranstaltung des Europäischen Forums Alpbach. "Rational bekennen wir uns zu Europa, aber wir brauchen auch emotionale Ikonen, die für dieses Europa stehen und es prägen", charakterisierte Heik Afheldt von der Holtzbrinck-Verlagsgruppe die "Kopfgeburt" Europa, zu der sich der Großteil der Europäer kaum hingezogen fühlt.

Zur emotionalen Identitätsfindung könnten die Medien beitragen, allerdings seien die bisherigen, stets sehr engagierten Projekte immer kläglich gescheitert - so auch die Zeitung "European". Mit polemischer Ironie fügte Afheldt hinzu: "Europa hat halt noch keinen Krieg gemeinsam gewonnen oder verloren. Das soll aber nicht als Aufforderung verstanden werden!"

"Europa-Dienst"

"Europa ist ein Netzwerk aus nationalen Identitäten, und vernetzt sollen auch die Medien auf unserem Kontinent sein", regte der Außenpolitik-Chef der APA - Austria Presse Agentur, Ambros Kindel, an und propagierte eine Vernetzung aller europäischen Nachrichtenagenturen: Jede Agentur könnte - pragmatischer Weise in englischer Sprache - mit zehn bis zwölf Meldungen pro Tag aus dem eigenen Land zu einem eigens eingerichteten "Europa-Dienst" beitragen. Dieser gemeinsame Nachrichtenpool könnte langfristig zu einer europäischen Identitätsbildung beitragen. Feindbilder und Vorurteile könnten auf diese Weise, weil sie durch Informationsdefizite verursacht werden, nachhaltig abgebaut werden. "Ein demokratisches Europa braucht Vernetzung, auch im Medien- und Agenturbereich", erklärte der Journalist. (APA)

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