Neu Delhi bietet Rebellen vorbehaltlosen Dialog an

6. September 2004, 11:13
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Singh: "Ohne jegliche Vorbedingungen"

Neu Delhi - Einen Tag vor einem indisch-pakistanischen Gipfeltreffen zur Kaschmir-Krise hat Indien allen aufständischen Gruppen des Landes den vorbehaltlosen Dialog angeboten. Die Regierung in Neu Delhi biete "allen" Gruppen im Land ausdrücklich das Gespräch an, darunter auch den Kämpfern in Kaschmir, erklärte der indische Regierungschef Manmohan Singh am Samstag in Neu Delhi.

Anlässlich der ersten Pressekonferenz seit Amtsantritt der neuen Regierung im Mai erklärte Singh, Neu Delhi sei bereit, mit allen Aufständischen "ohne jegliche Vorbedingungen zu diskutieren". Damit hoffe man, die Rebellen von ihrem bewaffneten und gewaltsamen Kampf abzubringen.

"Nicht unbedeutend"

Die bisherigen Fortschritte der Verhandlungen mit Pakistan bezeichnete der indische Regierungschef als "nicht unbedeutend". Manmohan Singh kündigte zudem an, er wolle noch in diesem Monat erstmals den pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf treffen. Dabei solle es vor allem um "gegenseitiges Verständnis" gehen, sagte Singh. Er hoffe, dass er gemeinsam mit Musharraf den "Prozess der Normalisierung" zwischen beiden Ländern voranbringen könne.

Am Sonntag und Montag wollen Indien und Pakistan erstmals seit drei Jahren wieder auf Ministerebene über die Region Kaschmir verhandeln. In den zweitägigen Gesprächen will der indische Außenminister Natwar Singh seinem pakistanischen Kollegen Khurshid Mahmud Kasuri einen 72-Punkte-Plan zur Lösung des Konflikts in der Himalaya-Region vorlegen. In den Gesprächen sollen auch Fragen des gemeinsamen Handels sowie der Kampf gegen den Terrorismus und den Drogenhandel zur Sprache kommen.

Die beiden Atommächte haben bereits zwei Kriege um Kaschmir geführt. Im indischen Teil der Himalaya-Region kämpfen moslemische Gruppen für die Unabhängigkeit oder den Anschluss an Pakistan. Neu Delhi wirft Islamabad Unterstützung der Moslemrebellen vor. Pakistan, das zwei Drittel Kaschmirs kontrolliert, weist dies zurück. Im Nordosten Indiens kämpfen rund 30 Rebellengruppen um mehr Autonomie. Allein bei den Kämpfen in Kaschmir sind in den vergangenen 15 Jahren mindestens 40.000 Menschen getötet worden. (APA)

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