Arabische Medien kritisieren islamistischen Terror

5. September 2004, 20:00
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Reaktionen auf Geiseldrama in Russland - "Beschämend, schmerzhaft und hart"

Kairo - Das Geiseldrama in Beslan hat angesehene Journalisten in der arabischen Welt zu einer ungewöhnlich scharfen Kritik an moslemischen Extremisten veranlasst. Ein am Samstag veröffentlichter Artikel in der in London erscheinenden Zeitung "Asharq al-Awsat" trug den Titel: "Die schmerzhafte Wahrheit: Alle Terroristen der Welt sind Moslems". In der ägyptischen Zeitung "Al Ahram" hieß es, die Bilder toter und verletzter Schüler "zeigten Moslems als Monster, die sich vom Blut von Kindern und dem Schmerz ihrer Familien ernähren".

"Unsere terroristischen Söhne sind ein Endprodukt unserer korrupten Kultur", schrieb Abdulrahman al Rashed, Intendant des Fernsehsenders Al Arabiya, in seiner täglichen Kolumne für "Asharq al-Awsat". Die meisten Selbstmordanschläge auf Busse, Schulen und Wohngebäude weltweit seien in den vergangenen zehn Jahren von Moslems verübt worden. "Das Bild ist für uns alle beschämend, schmerzhaft und hart", schrieb Al Rashed.

Putins Mitschuld

Der Ägypter Ahmed Bahgat beklagte in der Zeitung "Al Ahram" die Folgen des Geiseldramas für das Ansehen des Islams. Selbst die Feinde des Islams hätten keinen derart großen Schaden anrichten können, "wie es die Söhne des Islams getan haben durch ihre Dummheit, ihre Fehleinschätzungen und ihre falsche Auffassung von der Natur dieses Zeitalters".

Ein Leitartikel in der saudiarabischen Zeitung "Arab News" gab dem russischen Präsidenten Wladimir Putin eine Mitschuld am blutigen Ende der Geiselnahme in Nordossetien. Er habe es sich nicht leisten können, sein Bild vom starken Mann in Frage zu stellen. Allerdings hätten sich die Tschetschenen durch die Wahl ihres Ziels selbst in eine Position manövriert, "in der niemand eine Träne vergießen würde, wenn die Strafe folgt. Sie haben einen neuen Tiefpunkt erreicht, als sie Kinder als Faustpfand auswählten."

Im Internet erschien am Samstag eine Erklärung im Namen der islamistischen Islambuli-Brigaden, die sich zur Entführung der beiden abgestürzten russischen Passagiermaschinen bekannt hatten. Darin hieß es, die Gruppe habe nichts mit der Geiselnahme in Beslan zu tun. "Wir haben weder mit Waffen noch mit Geld zu dieser Operation beigetragen." In der Erklärung wurde angedeutet, dass tschetschenische Rebellen für die Besetzung der Schule verantwortlich waren. Zugleich hieß es, die Forderungen der Geiselnehmer seien gerechtfertigt. Die russische Regierung trage die volle Verantwortung für die Geiselnahme und ihre Folgen. (APA)

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