Ein Brand zeigt Folgen

6. September 2004, 14:26
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Einsturzgefahr in Anna Amalia Bibliothek, 40.000 Bücher können derzeit nicht geborgen werden - besserer Schutz des Kulturguts gefordert

Berlin/Weimar - Nach der Brandkatastrophe in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar ist die Einsturzgefahr noch nicht gebannt. Die Bergung von noch etwa 40.000 Büchern, von denen zumindest ein Teil durch Rauch und Löschwasser geschädigt ist, sei derzeit nicht möglich, teilte die Stiftung Weimarer Klassik am Samstag mit. Die Decke über dem Rokokosaal, dem Glanzstück der vor mehr als 300 Jahren gegründeten Bibliothek, wird abgestützt. Der Brand hatte etwa 30.000 Bücher, das Deckengemälde von Johann Heinrich Meyer sowie etwa 34 Bilder aus dem 16. und 17. Jahrhundert zerstört. Die Ursache des Feuers ist weiterhin unklar.

"Überwältigende Welle von Hilfsangeboten"

Stiftungspräsident Hellmut Seemann dankte für eine "überwältigende Welle von Hilfsangeboten", die Weimar nach dem verheerenden Brand vor zwei Tagen von Museen, Bibliotheken und Bürgern erreichten. Trotz der vier Millionen Euro Soforthilfe vom Bund sowie zugesagter Finanzhilfen vom Land Thüringen sei die Stiftung bei der Wiederherstellung der zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Bibliothek und der geretteten Bestände auch auf Spenden angewiesen, sagte Seemann.

Dachstuhl völlig zerstört

Das Feuer hatte den Dachstuhl des mehr als 400 Jahre alten Stammhauses, in dem insgesamt 120.000 Bände lagerten, völlig zerstört. Bisher konnten 50.000 Bücher gerettet werden, von denen 40.000 Wasser- und Rußschäden aufweisen. Ein Großteil wurde inzwischen in das Zentrum für Bucherhaltung nach Leipzig gebracht, wo die Bände grob gereinigt und schockgefroren werden, um Schimmelbildung zu verhindern.

In Weimar gingen die Sicherungsarbeiten an dem stark geschädigten historischen Bibliotheksgebäude weiter. Fachleute trugen mit Kränen das verkohlte Gebälk ab. Zur Spurensicherung wird die Dachkonstruktion auf einem Platz neben der Bibliothek aufgebaut.

Besserer Schutz gefordert

Der Deutsche Kulturrat fordert Bund, Länder und Kommunen zum besseren Schutz des kulturellen Erbes auf. Der verheerende Brand in der Anna Amalia Bibliothek in Weimar müsse ein Einzelfall bleiben, erklärte der Spitzenverband der Bundeskulturverbände am Sonntag in Berlin. "National bedeutende Kultureinrichtungen und das kulturelle Erbe von überregionaler Bedeutung müssen dauerhaft von den Kommunen, den Ländern und dem Bund gemeinsam betreut und besser gesichert werden", sagte Geschäftsführer Olaf Zimmermann.

Nur gemeinsam werde man künftig in der Lage sein, die notwendigen finanziellen Mittel zum Schutz des kulturellen Erbes aufbringen. "In Weimar war der gute Wille vorhanden, kam aber zu spät. Man sollte sich in der Zukunft nicht mehr soviel Zeit lassen", sagte Zimmermann. Ein neues Magazin für rund eine Millione Bücher soll im kommenden Jahr eröffnet werden.

Gleichzeitig bittet der Deutsche Kulturrat die Bevölkerung um Unterstützung beim Wiederaufbau der am Donnerstag teilweise zerstörten Bibliothek im Herzen der Goethestadt. (APA)

Nachlese

Ein Brand als "nationale Kulturkatastrophe"

Link

Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Bilder vom Brand

Spendenkonten:

Spendenkonto der Sparkasse Mittelthüringen Nr. 301 040 400, Stichwort: Brandkatastrophe

Spendenkonto Deutsche Stiftung Denkmalschutz: Konto 305555500, Commerzbank Bonn, Kennwort Anna Amalia

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    Das Feuer hatte den Dachstuhl der Bibliothek völlig zerstört.

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    Das Stammgebäude ist von Einsturz bedroht.

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