Hintergrund: Bisher verheerendster Ausgang eines Geiseldramas

8. September 2004, 18:41
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Noch nie endete eine Geiselnahme mit so vielen Opfern - Die folgenreichsten Geiselnahmen der letzten 25 Jahre

Hamburg - Noch nie endete eine Geiselnahme mit so vielen Opfern wie in der Schule von Beslan. Und noch nie mussten so viele Kinder bei der Beendigung eines Geiseldramas sterben. Die folgenreichsten Geiselnahmen der letzten 25 Jahre weltweit:

Musicaltheater in Moskau, 23. Oktober 2002: Mehr als 800 Menschen verfolgen das Musical "Nordost", als Dutzende Terroristen den Saal stürmen, unter ihnen auch schwarz gekleidete Frauen ("Schwarze Witwen") mit Sprengstoffgürteln. Die Terroristen fordern den Abzug der russischen Armee aus Tschetschenien. Nach drei Tagen stürmen Spezialisten unter Einsatz von Betäubungsgas das Theater. Insgesamt 129 Geiseln sterben. Auch alle 41 Terroristen kommen ums Leben. Viele von ihnen haben Genickschüsse.

Residenz des japanischen Botschafters in Lima, 17. Dezember 1996: Guerillas der marxistischen "Revolutionären Bewegung Tupac Amaru" (MRTA) nehmen in der Residenz des japanischen Botschafters in Lima rund 500 Menschen als Geiseln, darunter den peruanischen Außenminister. Nach der Freilassung mehrerer Geiseln befinden sich bis zum Ende noch 72 Menschen in ihrer Gewalt. Mit einem Sturmangriff beenden 140 peruanische Elitesoldaten nach 126 Tagen die Geiselnahme. Dabei kommen alle 14 Rebellen und zwei Mitglieder der Sicherheitskräfte ums Leben; eine verletzte Geisel stirbt später an einem Herzinfarkt. Die Guerilleros hatten die Freilassung aller inhaftierter Gesinnungsgenossen verlangt.

Krankenhaus in Kisljar, 9. Januar 1996: Etwa 300 Rebellen bringen das Krankenhaus der dagestanischen Stadt Kisljar mit etwa 2.000 Menschen in ihre Gewalt. Tage später dürfen die Terroristen mit vielen Geiseln das Gebäude verlassen. An der Grenze zu Tschetschenien greifen die russischen Streitkräfte zu. Im Kugelhagel sterben 78 Polizisten, Soldaten und Zivilisten. Mehr als 100 Menschen werden verletzt. Die meisten Rebellen entkommen.

Krankenhaus in Budjonnowsk, 14. Juni 1995: Der Rebellenführer Schamil Bassajew überfällt mit 100 Gefolgsleuten das Krankenhaus der südrussischen Stadt Budjonnowsk. Mehr als 1000 Patienten, Ärzte und Krankenhausangestellte geraten in ihre Gewalt. Einige Geiseln werden erschossen. Am vierten Tag stürmt eine Sondereinheit ohne Erfolg das Krankenhaus. Mindestens 15 Zivilisten sterben bei Schießereien. Die Rebellen bekommen freies Geleit und nehmen viele Geiseln in Bussen mit nach Tschetschenien. Dort werden die Opfer freigelassen.

Moschee in Mekka, 20. November 1979: Fast 250 bewaffnete religiöse Extremisten stürmen die Haram-Moschee. Sie nehmen etwa 200 Gläubige als Geiseln. Die Besetzer fordern den Rücktritt des saudi-arabischen Königs Ibn Abd Al Aziz bn Saud Khalid, die Bildung einer islamischen Regierung und ein Ende der Beziehungen zu den USA. Unter Einsatz von Tränengas und Rauchbomben stürmen Sicherheitskräfte am 25. November die Moschee. Dabei kommen mehr als 160 Menschen ums Leben, darunter 75 Besetzer, 60 Soldaten und 26 Pilger. Die letzten Rebellen geben allerdings erst am 04. Dezember auf. (APA)

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