Putin: "Wir haben Schwäche gezeigt"

5. September 2004, 18:57
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Streitkräfte werden umgruppiert - Zweitägige Staatstrauer angeordnet

Moskau - Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich nach der gewaltsamen Beendigung des Geiseldramas von Beslan in einer landesweit übertragenen Fernsehansprache an das russische Volk gewandt. Russland habe eine schreckliche Tragödie erlebt, die jeden Menschen schwer leiden lasse, sagte Putin am Samstag. Der Präsident hatte noch am Morgen bei einem Kurzbesuch in der südrussischen Stadt mit schwer verletzten Opfern der Geiselnahme und mit dem Einsatzstab vor Ort gesprochen.

Putin kündigte zudem eine Neuordnung der Streitkräfte im Nordkaukasus an. Die Sicherheitskräfte in der Region würden umgruppiert, sagte er in der Fernsehansprache.

Unfähigkeit aufgezeigt

Bereits vor der Geiselnahme in Beslan hatten Rebellen in Tschetschenien und Inguschetien mit blutigen Überfällen wiederholt die Unfähigkeit der dort stationierten Truppen der Armee, der Polizei und des Inlandsgeheimdienstes aufgezeigt. Allein in der Teilrepublik Tschetschenien sind nach Schätzungen etwa 70.000 russische Soldaten stationiert.

Gefahr unterschätzt

Internationale Terroristen hätten Russland den Krieg erklärt, sagte Putin, der auch Fehler eingestand: "Wir waren nicht in der Lage, adäquat zu reagieren...wir haben Schwäche gezeigt, und schwache Menschen werden geschlagen". Er räumte ein, die dem Staat drohende Gefahr unterschätzt zu haben: "Wir müssen zugeben, dass wir die Komplexität und Gefahren der Prozesse, die in unserem Land und in der Welt ablaufen, nicht verstanden haben".

Im Gedenken an die vielen Toten des Geiseldramas ordnete Putin eine zweitägige Staatstrauer an. Am Montag und Dienstag solle im ganzen Land der Opfer der Tragödie im Nordkaukasus gedacht werden. Nach offiziellen Angaben starben in Beslan mindestens 322 Menschen.

Der Präsident bezeichnete die Probleme als Folge des Zusammenbruchs der Sowjetunion. Insbesondere die Grenzen seien unzureichend geschützt und die Sicherheitsbehörden seien von Korruption durchsetzt. Die Reform, die ihm vorschwebe, werde mit der Verfassung im Einklang stehen, versicherte Putin. (APA/dpa)

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    Der russische Präsident besuchte auch Verwundete.

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