17-jähriger Brite ermordet jüngeren Freund

5. September 2004, 21:32
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Zu lebenslanger Haft verurteilt - Eltern machen Computerspiel "Manhunt" für Tat verantwortlich

London - Wegen der brutalen Ermordung seines jüngeren Freundes ist ein 17-jähriger Brite am Freitag zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Leicester sprach den Burschen schuldig, seinen 14-jährigen Freund in einem Park in der zentralenglischen Stadt auf grausame Weise zu Tode gequält zu haben.

Der Angeklagte hatte den Mord gestanden. Als Motiv gab er an, er habe seinem Freund 75 Pfund (110 Euro) stehlen wollen. Richter Michael Stokes sagte in seiner Urteilsbegründung, die Tat gehe "weit über das hinaus, was für einen Diebstahl nötig ist, vor allem bei einem 14-jährigen Burschen". Laut Staatsanwaltschaft ging der Junge mit einem Holzhammer und einem Messer auf sein Opfer los und fügte ihm 50 verschiedene Verletzungen zu.

Die Eltern machten das Computerspiel "Manhunt" verantwortlich

Die Eltern des 17-Jährigen machten das Computerspiel "Manhunt" (Verbrecherjagd) für die Tat verantwortlich. Freunde ihres Sohnes hätten erzählt, der Bursche sei "besessen" von dem Spiel gewesen, sagte die 36-jährige Mutter vor Gericht. Das Spiel werde auf seiner Website als "psychologisches Experiment" angepriesen, zudem werde für "brutales Töten" geworben. "Wenn es das war, von dem er besessen war, kann es sein, dass die Grenzen für ihn nicht mehr klar zu erkennen waren", sagte die Mutter. Verteidiger Roderick Price sagte, sein Mandat habe unter dem Druck einer Angst einflößenden Bande gehandelt, der er einen geringen Geldbetrag geschuldet habe.

Der Richter hob dagegen die Verantwortung des Jugendlichen hervor. "Ich gebe nicht vor, zu wissen oder zu verstehen, was Sie zu Ihrem Verhalten bewogen hat", sagte der Richter zu dem 17-Jährigen. "Aber eines ist klar: Sie und nur Sie sind für diesen in die Länge gezogenen, bösartigen und mörderischen Angriff gegen einen Menschen verantwortlich, der Sie für seinen Freund hielt." Auch Ermittler hatten keinen direkten Zusammenhang zu dem Computerspiel festgestellt. "Es scheint ein Raubüberfall zu sein, der in die falsche Richtung lief, und nicht ein Angriff auf der Basis eines Computerspiels", sagte der Polizist Bob Small.

"Manhunt" war im vergangenen Jahr vom US-Hersteller Rockstar North auf den Markt gebracht worden; es wird für Erwachsene empfohlen. In Neuseeland wurde das Spiel im Dezember als erstes Computerspiel verboten. Der 17-jährige Brite wird nach Einschätzung von Experten voraussichtlich für ein Jahr in Jugendhaft kommen, bevor er mit 18 Jahren in ein normales Gefängnis verlegt wird. Frühestens nach 13 Jahren kann er vorzeitig entlassen werden.(APA)

  • "Manhunt" war im vergangenen Jahr vom US-Hersteller Rockstar North
auf den Markt gebracht worden; es wird für Erwachsene empfohlen
    foto: derstandard

    "Manhunt" war im vergangenen Jahr vom US-Hersteller Rockstar North auf den Markt gebracht worden; es wird für Erwachsene empfohlen

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