Reaktionen: Annan "entsetzt" - Bush: Grauenvolle Erinnerung an Terrorismus

6. September 2004, 21:06
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UNICEF: "Wenn nicht einmal unsere Kinder mehr unantastbar sind, bleibt uns nichts mehr" - OSZE bekundet Solidarität mit Russland

New York - Der blutige Ausgang des Geiseldramas in der südrussischen Kleinstadt Beslan hat weltweit Erschütterung ausgelöst. UNO-Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich "entsetzt" über den Ausgang des Geiseldramas in der südrussischen Stadt Beslan. Er habe den tragischen Ablauf genau mitverfolgt und und sei erschüttert über den Verlust so vieler Kinder und Erwachsener, die ihr Leben verloren oder zum Schluss noch verletzt wurden. Er verurteile generell alle Terrorakte, ließ Annan über seinen Sprecher in einer Erklärung ausrichten.

OSZE bekundet Solidarität

Nach dem Geiseldrama in Nordossetien hat die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) ihre Solidarität mit Russland bekundet. Die Organisation drücke ihre Solidarität mit der russischen Bevölkerung aus, die in den vergangenen Woche "eine Reihe brutaler Terrorangriffe" erlitten habe, erklärte der OSZE-Vorsitzende und bulgarische Außenminister Solomon Passi am Samstag in Sofia. Alle OSZE-Staaten seien gewillt, "den Terrorismus in all seinen Formen zu bekämpfen".

Die Geiselnahme sei "eine zutiefst verstörende und unmenschliche Tat, die durch nichts zu rechtfertigen ist". Ganz besonders sei es zu verurteilen, dass die Täter zum Beginn des neuen Schuljahres "unschuldige Kinder", ihre Eltern und Lehrer als Geiseln genommen hätten, betonte Passi.

Israel: "Volle Unterstützung"

Der israelische Regierungschef Ariel Sharon sagte Russland seine "volle Unterstützung" zu. "Der Staat Israel ist in diesen schwierigen Stunden auf Russlands Seite." Israel unterstütze Russland und teile seine Trauer.

Die Staaten der freien Welt müssten "gnadenlos den Terrorismus bekämpfen, dessen Opfer Israel tagtäglich ist", forderte Sharon in einer Erklärung. Bei dem am Freitag beendeten Geiseldrama in einer Schule in der nordossetischen Stadt Beslan waren mehr als 350 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen über 150 Kinder sowie 26 Geiselnehmer.

Unterstützung der USA

Der amerikanische Präsident George W.Bush sicherte Russland am Freitag die Unterstützung der USA beim Kampf gegen Terroristen zu. Der Vorfall sei eine "weitere grauenvolle Erinnerung" terroristischer Taktiken gegen die zivilisierte Welt, sagte Bush. Auch die in den Niederlanden versammelten EU-Außenminister zeigten sich entsetzt.

"Entmutigender Tiefpunkt"

Exekutivdirektorin des Weltkinderhilfswerks UNICEF, Carol Bellamy, nannte die Geiselnahme pro-tschetschenischer Rebellen einen "neuen und entmutigenden Tiefpunkt". Bellamy verwies darauf, dass den Kindern drei Tage lang Wasser und Essen verweigert worden war. "Das ist inakzeptabel, unbegreiflich und sinnlos", erklärte sie. "Wenn nicht einmal unsere Kinder mehr unantastbar sind, bleibt uns nichts mehr". Das Tragische sei, dass dies nur die jüngste Episode in einer wachsenden Welle von Gewalt gegen Kinder sei, hieß es in einer Erklärung Bellamys.

US-Präsident Bush sagte in West Allis im US-Bundesstaat Wisconsin: "Wir trauern mit den unschuldig Umgekommenen. Wir halten zum russischen Volk. Wir schicken Russland in dieser furchtbaren Situation unsere Gebete." Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärte, es handle sich um "einen besonders barbarischen Akt des Terrorismus", bei dem sinnlos Menschenleben geopfert worden seien. Die Verantwortung für die Tat liege "klar bei den Terroristen".

Königin Elizabeth: Tiefstes Mitgefühl

Die britische Königin Elizabeth II. äußerte sich "schockiert" über das Massaker in der russischen Schule. Sie bat den russischen Präsidenten in einem Schreiben, "den Hinterbliebenen und den Verletzten mein tiefstes Mitgefühl zu übermitteln". Der britische Premierminister Tony Blair verurteilte das "unmenschliche" Vorgehen der Geiselnehmer scharf. "Ich kann meine Abscheu über die Unmenschlichkeit der Terroristen ... kaum in Worte fassen."

NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer sprach dem russischen Verteidigungsminister Sergej Iwanow sein Beileid aus. Die NATO werde weiter mit Russland zusammenarbeiten, um gegen den Terrorismus zu kämpfen. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi nannte die Geiselnahme in einer Schule in Nordossetien einen Akt der Barbarei.

Anteilnahme aus Österreich

Auch Österreichs Spitzenpolitker bekundeten ihr Entsetzen und ihre Anteilnahme für die Hinterbliebenen der Opfer der Tragödie. Bundespräsident Heinz Fischer verurteilte den "verabscheuungswürdigen Terroranschlag" und bekundete im Namen Österreichs und im eigenen Namen seine Anteilnahme. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel verurteilte den "Terror durch die menschenverachtenden Geiselnehmer" auf das Schärfste. Nach den Worten von Außenministerin Benita Ferrero-Waldner zeige das "grauenhafte" Blutbad, dass der Kampf gegen Terrorismus eine "Top-Priorität" sein müsse. Auch der in den USA weilende Innenminister Ernst Strasser äußerte sich in diesem Sinn. (APA/dpa/AP/Reuters)

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