Asiatisch für Anfänger

23. Februar 2005, 22:05
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Heute gehört die gesunde Proteinalternative Tofu immer öfter zum Sortiment von Supermärkten und Drogerieketten. Eine Produktpalette im Test

TOFU: Vorbei sind die Zeiten, als Tofu nur in Spezialgeschäften erhältlich war und bei Fleischhardlinern Assoziationen mit Schuhsohlen weckte. Heute gehört die gesunde Proteinalternative immer öfter zum Sortiment von Supermärkten und Drogerieketten. Ob die Produktpalette auch so gut schmeckt, wie sie gesund ist, hat Karin Schmollgruber


Grau, blass, wässrig und trotz luftdichter Versiegelung im Kühlfach ein bedrohliches Eigenleben entwickelnd - so kannten wir Tofu in seiner Reinform bisher. Keine guten Voraussetzungen, um es zum kulinarischen Star zu bringen. Wenn dessen ungeachtet Nachfrage und Angebot steigen, so spricht das einerseits eindeutig für den Tofu, andererseits auch für den langen Atem der Produzenten. Es erfordert nämlich Geduld, um den mittels aufwändiger Prozedur aus Sojabohnen gewonnenen rohen Tofu zur geschmackvollen Speise zu machen.

Für weniger Experimentierfreudige und Fans der schnellen Küche wurden daher marinierte Varianten oder Räuchertofu entwickelt. Diese fix und fertig zubreiteten Convenience-Produkte mit Zusätzen wie Sesam-Nuss oder Basilikum orientieren sich an den kulinarischen Vorlieben der Europäer, sind schnittfest und können gebraten oder roh gegessen werden. Innovationsfreudig waren westliche Tofuproduzenten schon immer. Auffallend ist, dass sie in letzter Zeit immer mehr Wert auf ein ansprechendes Verpackungsdesign legen - das Auge isst ja bekanntlich mit.

Es würde den Rahmen sprengen, alle positiven Auswirkungen von Tofu auf die Gesundheit aufzulisten. Daher in aller Kürze: Tofu hilft bei hohen Blutfettwerten, Gallensteinen, wirkt vorbeugend gegen Herz- und Gefäßschäden sowie Krebsbildung. Er liefert wenig Kalorien, dafür viel Kalzium, Vitamin E und besonders hochwertiges Eiweiß. Tipp: Achten Sie beim Einkauf auf das Bio-Gütesiegel.


Die Kriterien

Für den Test wurde ausschließlich Convenience-Tofu ausgewählt. Alle Produkte wurden nach Packungsanleitung kurz in Olivenöl angebraten und pur verkostet. Die Testkriterien waren Geschmack (G), Konsistenz (K), Aussehen (A) und Fleischersatztauglichkeit (F). Das Testteam setzte sich aus zwei Tofu-unerfahrenen Fleischessern, einer aufgeschlossenen Nichtvegetarierin und einer passionierten Vegetarierin zusammen.


Die Ergebnisse

Der Herzhafte: Räuchertofu von Sojarei
Erhältlich z.B. bei Spar, 150 g um 2,39 €

Wenig schmeichelhafte Assoziationen mit Schuhsohlen kamen beim Verkosten des Räuchertofus gar nicht erst auf. Der Testsieger sorgte sogar bei den eingefleischten Hardlinern für echte Gaumenfreuden. "Ist das sicher kein Fleisch?" hakten die verdutzten Skeptiker nach. Beste Werte erzielte der rauchige Tofu in Konsistenz, Geschmack und Fleischersatztauglichkeit. Minuspunkte gab's nur für das mäßige Aussehen. Besonders erfreulich: Die heimischen Sojarei-Produkte gibt es schon in vielen Super- und manchen Drogeriemärkten.
G: 1,5; K: 1; A: 2,5; F: 1 - gesamt: 1,5

Der Würzige: Tofu mit Basilikum (Taifun)
z.B. bei Lavendel Naturkost, Wien 20, 200 g/3,30 €

Das deutsche Unternehmen Taifun gehört zu den innovativsten Anbietern der fleischlosen Szene. Der Basilikum-Tofu mundete den Testern aber weniger gut, als der Name erwarten ließ. Ein Kritiker: "Wenn ich Basilikum essen will, esse ich Basilikum." Die aufgeschlossene Testerin analysierte haarscharf: "Es ist problematisch, wenn man asiatischen Produkten europäische Geschmackswelten aufdrängt." Wegen guter Werte in Sachen Konsistenz und Aussehen landete das Produkt dennoch im Vorderfeld. Zu seiner Verteidigung sei gesagt: Der Basilikum-Tofu schmeckt im rohen Zustand als Brotbelag oder im Salat eindeutig besser als angebraten.
G: 2; K: 1,75; A: 1,5; F: 2,75 - gesamt: 2

Der Variable: Tofu gegrillt (Kornblumenhof)
z.B. Biomarkt Maran, Wien 7, 200 g/2,62 €

Zwar veranlassten die lieblichen Blümchen auf dem Verpackungsetikett des Tofus von Kornblumenhof die konservativen Tester zu wenig schmeichelhaften Kommentaren über Bio-Touch. Das unaufdringliche Produkt konnte aber in puncto Geschmack und vor allem Fleischersatztauglichkeit überzeugen, daher die gute Platzierung dieses Testkandidaten.
G: 1,7; K: 2; A: 2,5; F: 2 - gesamt: 2

Der Raffinierte: Japanisches Bratfilet (Taifun)
z.B. Firmanns Bauernkörberl, Wien 7., 160 g/1,99 €

Ambitionierter Name und ansprechendes Äußere weckten beim Testteam hohe Erwartungen, die das Produkt auch halten konnte. "Sieht aus wie Zwieback und schmeckt wie Hühnerfleisch", meinte ein Tester. Ideal als Fleischersatz also. Gelobt wurde vor allem die knusprige Konsistenz, daher ein Platz im Vorderfeld.
G: 2,5; K: 2,25; A: 2; F: 2 - gesamt: 2,1

Der Neutrale: Tofu Piastra (Sojarei)
z.B. Merkur, 200 g/2,49 €

Der Piastra ist ein gebratener Tofu, der in einer speziellen Sojasauce eingelegt wird. Das klingt besser, als das Produkt dann schmeckte. Eine Testerin resümierte ganz treffend: "Den könnte ich öfter in der Küche verwenden, weil er relativ geschmacksneutral ist." Das ideale Produkt für fortgeschrittene Tofu-Esser also.
G: 2,75; K: 1,5; A: 2,25; F: 2,25 - gesamt: 2,1

Der Italienische: Tofu Rosso (Taifun)
z.B. Firmanns Bauernkörberl, Wien 7., 200 g/3,30 €

Der Tofu Rosso von Taifun wurde ob seiner appetitlichen roten Farbe optischer Testsieger. Sogar von der Kritikerecke kam wohlwollend: "Der ist so schön rot wie Spaghetti Pomodori" und "schmeckt wie Mozzarella mit Tomate". Ein anderer Verkoster meinte allerdings, "ein wenig italienisch" sei gut gemeint, komme aber nicht gut an. Wie der Basilikum-Tofu schmeckt auch der Rosso besser roh (als Brotbelag oder im Salat) als gebraten.
G: 2; K: 2,5; A: 1,75; F: 2,75 - gesamt: 2,2

Der Unaufdringliche: Tofu mariniert & gebacken (Sojvita)
z.B. Makrokosmos, Wien 1., 200 g um 3,55 €

Im hinteren Mittelfeld platzierte sich der marinierte und gebackene Tofu von Sojvita, der keinen der Tester zu besonderen Kommentaren animieren konnte. Das unaufdringliche Produkt wurde als gut in der Konsistenz beurteilt, stach aber weder in Sachen Geschmack noch Fleischersatztauglichkeit hervor.
G: 3; K: 2,5; A: 2,5; F: 3 - gesamt: 2,7

Der Enttäuschende: Nuss-Sesam-Tofu (Sojvita)
z.B. Naturkost Buchmüller, Wien 6., 200 g/3,30 €

Weit abgeschlagen landete der appetitlich klingende Nuss-Sesam-Tofuquader von Sojvita. Entfernt man die asiatisch anmutende Verpackung, sinkt die Begeisterung rapide, um schließlich bei der Verkostung den Nullpunkt zu erreichen. "Sieht aus wie Fleischersatz aus der Konserve und schmeckt wie ein Mittelding aus Fleisch und Fisch", so ein Tester spontan. Als unangenehm wurden die "Überraschungseffekte mit Nüssen oder Körndln" bezeichnet. Eindeutiges Resümee des Testerteams: Nicht zu empfehlen!
G: 3,75; K: 3; A: 4; F: 3,75 - gesamt: 3,6

Fazit: Die Soja-Anfänger konnten sich nach dem Test durchaus vorstellen, ihren Speiseplan um Tofu-Produkte zu erweitern. Als Fleischersatz wollten sie die Produkte aber nicht sehen, als Ergänzung schon eher. Als abschreckend wurde empfunden, dass die meisten Produkte in ihren durchsichtigen Plastikverpackungen wie Astronautennahrung anmuten. Und der Fleischhardliner versicherte: "In einen Bioladen würde ich mich nie verirren." Der Weg zum Erfolg ist lang und dornig, heißt es. Um aus Anfängern überzeugte Einsteiger zu machen, wird auch der Convenience-Tofu noch einige Hürden nehmen müssen.


Das Testteam setzte sich zusammen aus Verena Karimi, Karin Schmollgruber, Christopher Aichinger & Thomas Breier. Dank an Stefan Maran von biomarkt.co.at, der alle Produkte zur Verfügung stellte. Von ihm kommt ein Tipp für Fans von rohem Tofu: Tofu in eine Schüssel mit Wasser legen und dieses jeden Tag wechseln.

 

*) Jeder Artikel spiegelt die ganz persönlichen Erfahrungen der AutorInnen wider.
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