ÖIAG schließt Verkauf bei freundlicher Übernahme nicht aus

21. September 2004, 14:07
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Feindliche Übernahme wird Siemens von Analysten nicht zugetraut - Kein Kommentar zu Gusenbauer-Aussagen

Wien/Bregenz - Die beiden Vorstände der ÖIAG, Peter Michaelis und Rainer Wieltsch, machen in einem Zeitungsinterview ihr Verhalten bei einem Übernahmeangebot von der Entscheidung der VA Tech-Führung abhängig. "Sollte die Übernahme - in welcher Weise sie auch immer kommen wird - vom Vorstand als feindlich erklärt werden und gegen die österreichischen Interessen verstoßen, werden wir uns gegen diese Übernahme aussprechen", wird Michaelis in der morgigen Wochenendausgabe der "Presse" zitiert. Sollte der Vorstand allerdings das Offert akzeptieren und sollte es dem Privatisierungsauftrag entsprechen, "kann es sehr gut sein, dass wir dem Vorschlag des VA Tech-Vorstandes folgen".

"Erfolgsstory" Siemens

Demnach könnte die Staatsholding bei einer freundlichen Übernahme ihr 15 Prozent-Paket an der VA Tech sehr wohl verkaufen. Immerhin sei Siemens eine "Erfolgsstory" und zähle zu den renommiertesten Unternehmen des Landes, so Michaelis.

Auf die Frage, ob der Verkauf des 9 Prozent-Anteils im vergangenen Jahr ein Fehler war, sagte der ÖIAG-Vorstand: "Es macht keinen Unterschied, ob wir 15 oder 24 Prozent haben." Der Aktionsradius der Staatsholding sei im Fall einer feindlichen Übernahme sehr begrenzt. "Mit uns muss ja keiner reden - das Angebot geht an alle Aktionäre", präzisiert Michaelis. Er betonte erneut, der ÖIAG liege deshalb weder ein Angebot vor, noch gebe es Verhandlungen.

Die theoretische Möglichkeit, dass der Staat die ÖIAG ermächtige, als "weißer Ritter" die VA Tech zur Gänze zurückzukaufen und Siemens/Kovats auszubremsen - wie dies am Freitag SP-Chef Gusenbauer gefordert hat -, löst beim ÖIAG-Führungsduo lächelndes Kopfschütteln aus. "Die Kaufsumme von rund 900 Millionen Euro würde uns kein Eigentümer genehmigen", meint Wieltsch.

"Keine rechtliche Basis"

Entgegen weitverbreiteter Meinung - auch in politischen Kreisen - kann die ÖIAG aber derzeit nicht einmal bei der geplanten, aber höchstwahrscheinlich hinfälligen Kapitalerhöhung - mitziehen: "Solange der Privatisierungsauftrag besagt, dass wir die VA Tech zu 100 Prozent zu privatisieren haben, besteht keine rechtliche Basis, um an Kapitalerhöhungen teilnehmen zu können."

Sollte der Staat als Eigentümer ein Mitziehen wollen beziehungsweise sollte er nicht wollen, dass die 15 Prozent der ÖIAG in dieser Legislaturperiode (bis 2006) verkauft werden, müsste er laut Michaelis in einem Ministerratsbeschluss den Privatisierungsauftrag "konkretisieren". Mit diesem Beschluss würde die VA Tech wieder vom Privatisierungs- ins Beteiligungsportefeuille der Staatsholding zurückwandern. "Dann hätten wir freie Hand", so Michaelis. Signale der Regierung in diese Richtung habe die ÖIAG aber derzeit nicht.

Unklarheit über Status

Dass es überhaupt noch zu der längst geplanten Kapitalerhöhung - und dem dafür erforderlichen Beschluss bei der außerordentlichen Hauptversammlung am 21. September kommt, hängt von der Übernahmekommission ab. Michaelis sagte der Zeitung, es sei derzeit nicht klar, "wo wir uns rechtlich im Übernahmeszenario befinden". Es komme nämlich darauf an, ob die im Übernahmerecht vorgesehene Neutralitätsgebotsperiode begonnen hat, die von einer Absichtserklärung ausgelöst wird.

Innerhalb dieser Frist von 40 Börsentagen muss zum einen das definitive Übernahmeoffert gelegt werden. Zum anderen darf das Zielunternehmen (die VA Tech) nichts gegen den Übernahmeversuch unternehmen. Eine Kapitalerhöhung wäre eine solche verbotene "Giftpille", weil sie den Preis für das Unternehmen steigern und damit die Übernahme verteuern würde, schreibt die "Presse". Die ÖIAG hat die Übernahmekommission um Klarstellung ersucht.

Analysten erwarten keine Übernahme

"Wie sich am Horizont abzeichnet, kommt es zu keinem konkreten Übernahmeangebot, da wir nicht glauben, dass Siemens eine feindliche Übernahme durchzieht", heißt es im neuesten "Equity Weekly" der Erste Bank zum Börsenkrimi rund um die VA Tech. Bei einem kolportierten Preis von 60 Euro je Aktie dürfte auch der Industrielle Mirko Kovats bereit sein, über seinen VA Tech-Anteil (rund 13 Prozent über die Victory) zu verhandeln. "Auch wenn es zu einem Druck auf die Aktie kommt, glauben wir, dass das Preisniveau bei 50 Euro durch die ermutigenden Aussichten für 2005 gut abgesichert ist und würden Kursschwächen zum Kaufen nutzen." Das Kursziel der Erste-Analysten für die VA Tech-Aktie liegt aktuell bei 58 Euro.

"Kein Kommentar" zu Gerüchten über Entscheidung am Dienstag

Aussagen von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer, wonach Siemens am Dienstag (7. September) über das weitere Vorgehen in Sachen VA Tech entscheiden wolle, wollte der Münchener Konzern Freitagnachmittag nicht kommentieren.

Gusenbauer hatte am Rande einer Pressekonferenz nach der SP-Präsidiumssitzung in Bregenz erklärt, es sei "unakzeptabel", wenn die Regierung tatenlos zusehe. Da Siemens bereits am nächsten Dienstag seine Entscheidung fälle, sei rasches Handeln erforderlich, hatte der SP-Parteichef verlangt.

Kein Kommentar hieß es dazu gegenüber Reuters, gegenüber Dow Jones sagte ein Unternehmenssprecher, ihm sei kein Termin bekannt. (APA)

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