Siemens führt nur "Sondierungsgespräche"

3. September 2004, 17:32
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Österreich-Tochter bekam von Münchner Konzernzentrale freie Hand - Kovats als möglicher Partner - VA Tech-Vorstand bekräftigt Nein zu feindlicher Übernahme

Wien - Ein Übernahmeoffert für den teilstaatlichen Linzer Technologie-Konzern VA Tech wird es kurzfristig wohl nicht geben. Entgegen anders lautenden Medienberichten, die von einem im Detail fertigen Angebotsentwurf sprechen, hieß es heute, Freitag, in Siemens-Konzernkreisen: "Das Ding gibt es nicht. Konkret ist da noch gar nichts." Es gebe auch keinen Zeitdruck, man sei in der "Vorphase, in der wir sagen: Wir haben Interesse und führen Gespräche". Dies sei der Status.

Noch in der Vorphase

Siemens hatte gestern in einer schriftlichen Mitteilung erstmals Interesse an der VA Tech offiziell bekundet und dabei "Teilaktivitäten" des oberösterreichischen Großunternehmens ins Treffen geführt. In Siemens-Konzernkreisen wurde der APA heute indes bestätigt, dass sich das Interesse auf die Sparten Energieübertragung und -verteilung (T&D) sowie Infrastruktur (Elin EBG) konzentriere. "Wir sind an diesen beiden Einheiten interessiert, sie passen gut zu unserem Geschäft."

"Sondierungsgespräche" mit VA Tech-Großaktionär Mirko Kovats (rund 13 Prozent) würden geführt, um im Fall einer Übernahme einen Partner für die anderen beiden VA Tech-Bereiche - Energieerzeugung (Hydro) und Industrieanlagenbau (VAI) - zu haben.

Fertiges Übernahmeangebot kolportiert

Wie berichtet hatte "Format" geschrieben, die Übernahmepläne durch Siemens und Kovats seien im Detail bereits ausgearbeitet. Der gebotene Preis pro Aktie soll demnach 5 Euro über dem aktuellen Börsekurs zum Zeitpunkt des Angebots liegen, maximal aber 60 Euro betragen. In Summe wären das mehr als 900 Mio. Euro. Um Zerschlagungsängsten und dem damit zusammen hängenden politischen Gegenwind entgegen zu treten, sollen laut dem Magazinbericht weitgehende Standort- und Arbeitsplatzgarantien geplant sein.

Abgewickeln würde Siemens den Deal über die Österreich-Tochter. Dem Vernehmen nach verfügt die Siemens AG Österreich in Sachen VA Tech über einen Ermächtigungsbeschluss der Münchener Konzernzentrale. Demnach hat sie dabei freie Hand und kann unabhängig von ihrer Muttergesellschaft in Deutschland eigene Beschlüsse in ihren Gremien fassen. Bisher gebe es in dieser Sache allerdings noch keine Beschlüsse, hieß es auch heute aus dem Unternehmen.

VA Tech-Vorstand bekräftigt Nein zu feindlicher Übernahme

Der VA Tech-Vorstand hat am Freitag sein Nein zu einer feindlichen Übernahme durch Siemens bekräftigt und ist damit Spekulationen über ein gestern, Donnerstag, abgehaltenes Treffen mit dem Siemens-Vorstand in München entgegengetreten. Bei dem Gespräch, an dem Vorstandsvorsitzender Klaus Sernetz und sein Stellvertreter Gerhard Falch teilgenommen haben, habe man diese Ablehnung nochmals bekräftigt, heißt es in einer ad-hoc-Mitteilung des Konzerns vom Freitagnachmittag.

Ob es überhaupt zu einem Übernahmeangebot von Siemens kommen werde, sei von Siemens noch nicht entschieden: "Es wurde aber auch klar kommuniziert, dass sich die Siemens-Organe (Zentralvorstand und Aufsichtsrat) damit noch nicht befasst haben."

Ao. Hauptversammlung "wie geplant"

Die Großbanken hätten sich zu den Restrukturierungs- und Kapitalerhöhungsplänen des VA Tech-Vorstands bekannt und würden "diesen Weg auch weiterhin unterstützen", heißt es in der Aussendung. Die VA Tech halte an der für den 21. September anberaumten außerordentlichen Hauptversammlung (und damit an der laut Tagesordnung vorgesehenen Erhöhung des Rahmenkapitals) "wie geplant fest". (APA)

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    montage: derstandard.at
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