Kaufkraft: Wien vor Salzburg und NÖ

20. September 2004, 11:09
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Wien verliert an Kaufkraft, Tirol verzeichnet größte Zuwächse - Kärnten bleibt Schlusslicht - mit Infografik

Wien - Wien weist trotz Verlusten in den vergangenen Jahren mit 111,3 Indexpunkten im Bundesländervergleich noch immer die höchste Kaufkraft auf, gefolgt von Salzburg (102,4) und Niederösterreich (102,3). Dies geht aus einer aktuellen Studie des Marktforschers RegioPlan hervor. Auf den weiteren Plätzen folgen Oberösterreich (96,6), Tirol inklusive Osttirol (95,7), Vorarlberg (95,2), die Steiermark (93,6), das Burgenland (93,5) und Kärnten (93,3).

Städte weisen insgesamt höhere Kaufkraftwerte pro Einwohner auf als ländliche Gebiete, was laut Studie auf die Gehaltsstrukturen internationaler Konzerne, großer öffentlicher Verwaltungsinstitutionen sowie Technologie-, Forschungs- und Innovationszentren, die typischerweise in Ballungsräumen angesiedelt sind, zurückzuführen ist. Ausgleichend wirken regionale Wirtschaftsförderungen wie etwa jene der EU für das Burgenland.

Wien verliert kontinuierlich

Wiens Bevölkerung verliert seit 2002 kontinuierlich an Kaufkraft. Die Einkommensverluste führt RegioPlan auf Einsparungen bei den in Wien sehr zahlreich vertretenen Institutionen des öffentlichen Bereichs, die schwache Konjunkturentwicklung und steigende Arbeitslosigkeit zurück. Mittel- und langfristig wird sich Wien aber weiterhin als kaufkraftstärkstes Bundesland Österreichs behaupten können, schätzen die Marktforscher.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen gibt es um Platz zwei: 2002 lag Salzburg erstmals seit dem Jahr 2000 wieder vor Niederösterreich, 2003 konnte der Platz - wenn auch knapp - behauptet werden. In beiden Ländern gibt es politische Bezirke mit weit überdurchschnittlicher Kaufkraft (in Niederösterreich Mödling mit 134,5 Punkten, in Salzburg die Stadt Salzburg mit 123,0 Punkten), aber auch Bezirke mit stark unterdurchschnittlicher Kaufkraft (in Niederösterreich Zwettl mit 79,8 Punkten, in Salzburg Tamsweg mit 80,5 Punkten).

Stabile Entwicklung in OÖ

In Oberösterreich zeige sich eine wirtschaftlich stabile Entwicklung, die Kaufkraft liege allerdings mit 96,6 Punkten leicht unter dem österreichischen Durchschnitt, heißt es in der Studie. Der wertvolle industrielle Kern des Landes, die niedrigste Arbeitslosenrate Österreichs 2003 und die gestiegene Beschäftigungsrate würden auch künftig für eine gute Entwicklung der Kaufkraft sorgen.

Tirol ist - bereits zum zweiten Mal in Folge - das Bundesland mit dem stärksten Kaufkraftanstieg. 2002 erhöhte sich die Kaufkraft um 1,8 Punkte, 2003 um 1,5 Punkte. Innerhalb Tirols gebe es regionale Unterschiede, diese seien aber nicht so deutlich ausgeprägt wie in anderen Bundesländern.

Vorarlberg: Kaufkraft sinkt

Die Kaufkraft der Vorarlberger ist 2003 um 1,4 Punkte gesunken, nur Wien musste größere Einbußen hinnehmen. Die Gründe für diese Entwicklung liegen in der gestiegenen Arbeitslosenrate, dem schwachen Tourismus 2003 sowie der schwierigen Lage in der regional weiterhin sehr wichtigen Bekleidungsindustrie.

Das Burgenland verdankt seinen Aufholprozess vom weit abgeschlagenen Schlusslicht vor allem dem EU-Regionalförderungsprogramm. Da im Burgenland 2003 ein weiterer Anstieg der Arbeitslosigkeitsquote verhindert werden konnte, viele Unternehmungsgründungen statt fanden und die Beschäftigung um 1,8 Prozent wuchs, sei das Land weiterhin auf gutem Kurs, hieß es. Allerdings versiegt dieser wertvolle Zahlungsstrom am 31.12.2006. Bis dahin müsse eine effiziente Wirtschaftsstruktur aufgebaut werden, die als "regionale Wirtschaftslokomotive" dienen könne, rät RegioPlan.

Schlusslicht Kärnten

Kärnten liegt - trotz Zuwächsen - wie schon in den Jahren zuvor an letzter Stelle des Bundesländervergleichs, was die Studie auf die relativ hohe Arbeitslosigkeit von 8,1 Prozent, die große Bedeutung von Tourismus und Landwirtschaft sowie den Mangel an wirtschaftlich tragfähigen Strukturen zurückführt. Grundsätzlich bestünden gute Ansätze (etwa die Entwicklungsagentur Kärnten zur Förderung von Unternehmensansiedelung und -neugründungen) sowie einige Innovationsparks, für einen raschen Aufholprozess seien diese Bemühungen in Summe aber zu wenig.

Für FP-Kärnten "Scherz"

Die FPÖ Kärnten wies die Studie prompt als "Scherz" und als "unseriös" zurück. Landesobmann Martin Strutz verweist darauf, dass in der Studie "weder das Preisniveau in Kärnten, noch die Einkommen, die in den letzten Jahren auf Grund der Initiativen des Landes gestiegen sind, berücksichtigt wurden". Ohne diese Kennzahlen sei diese Studie "unbrauchbar, die gezogenen Schlüsse wissenschaftlich unseriös und die ganze Studie wertlos".

SP-Kärnten sieht sich bestätigt

Die SPÖ-Kärnten hingegen sieht sich mit der aktuellen RegioPlan-Studie über die Kaufkraft bestätigt. "Wir haben bereits vor der Landtagswahl auf die dramatische Situation bei der Kaufkraft in Kärnten hingewiesen", sagte Klubobmann Karl Markut. "Daher ist es dringend notwendig, Maßnahmen zu ergreifen, um Kärnten wieder auf die Überholspur zu bringen."

Imst ist Bezirks-Sieger

Die größten Kaufkraftzuwächse nach Bezirken verbuchten - allerdings auf relativ niedrigem Niveau - Imst (3,9 Punkte) und Tamsweg (3,7 Punkte). Die reichsten Bezirke finden sich in Wien und Umgebung. Die Bezirke Wien 1 (239 Punkte), Wien 13 (145 Punkte) und Wien 19 (139 Punkte) profitieren von der atypischen Bevölkerungszusammensetzung wie Rechtsanwälte, Ärzte, Top-Manager und Diplomaten, allerdings verlagern viele wohlhabende Wiener ihren Wohnsitz zunehmend nach Mödling (134 Punkte).

Die Kaufkraftunterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern nehmen seit 10 Jahren kontinuierlich ab. Lag die Differenz zwischen den Bundesländern mit der höchsten und niedrigsten Kaufkraft 1994 noch bei knapp 30 Indexpunkten, betrug der Unterschied 2003 nur mehr 19 Punkte. (APA)

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    Infografik: Kaufkraft in Österreich

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