Diskussion über mediales EU-Bild beim Forum Alpbach

13. September 2004, 13:41
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EU-Berichterstattung in Tschechien zwischen Boulevard und Seriosität

Ob "die EU" den Österreichern ihre geliebte Marmelade verbietet, bewegte vor nicht allzu langer Zeit den heimischen Blätterwald. Ähnliche Diskussionen gibt es auch bei unseren Nachbarn: Tschechien musste im Zuge des EU-Beitritts um typische Käsesorten bangen. Ein Thema, das von den tschechischen Medien dankbarer aufgegriffen wurde als andere, vielleicht seriösere Fragestellungen, meinte Jiri Pehe von der Prager New York University. Er attestierte am Freitag bei den Alpbacher Mediengesprächen den tschechischen Medien "Boulevardisierung".

"Boulevardisierung der Medien"

"In Tschechien ist es schwierig, seriösen Journalismus zu machen", so Pehe. Der kleine (Werbe-)Markt forciere eine "Boulevardisierung der Medien". Dies gelte auch für EU-Themen. Generell sei es um die EU-Berichterstattung in den tschechischen Printmedien bis vor kurzem "sehr schlecht bestellt" gewesen, meinte Robert Schuster von der Monatszeitschrift "Mezinarodni politika". Nun habe sie einen neuen Stellenwert erhalten, überregionale Blätter Korrespondentenbüros in Brüssel eröffnet. "Eine differenzierte EU-Berichterstattung könnte für die Medien auch einen Wettbewerbsvorteil darstellen", glaubt Schuster. Im Kampf um die Leserschaft auf einem kleinen Markt glichen die großen tschechischen Zeitungen einander immer mehr, pointierte EU-Berichte könnten Unterscheidbarkeit garantieren.

Serbien noch isoliert

Noch weit weg von einer europäischen Öffentlichkeit ist Serbien, schilderte Christian Wehrschütz, ORF-Korrespondent in Belgrad. Ausländische bzw. englischsprachige Medien spielten "kaum eine Rolle", was auch mit sprachlichen Barrieren zu tun habe: "Sehr wenige serbische Journalisten sprechen so gut englisch, dass die englischsprachige Zeitungen ausreichend lesen können. Man darf nicht vergessen, das Land war zehn Jahre lang isoliert." Wehrschütz forderte eine "konsistente Balkanstrategie" der EU: Staaten wie Mazedonien könnte ansonsten die "europäische Perspektive" abhanden kommen.

Europäische Öffentlichkeit nur für Eliten?

Eine transeuropäische Öffentlichkeit funktioniere derzeit wenn, dann ohnehin nur für Eliten, gab indes Ellen Mickiewicz von der Duke University (USA) zu bedenken. Aber "Europa sollte für alle Bürger interessant sein", betonte sie. Dies setze allerdings voraus, das Publikum "zu kennen und seine Werte zu respektieren". Hans Peter Fritz, Leiter der ORF-Auslandsredaktion Fernsehen und früher Korrespondent in Washington, skizzierte schließlich das mediale Europa-Bild in den USA. "Der Blick auf Europa ist nicht frei von gelegentlichen Verzerrungen", so seine Diagnose. Ein einheitliches Europa-Bild in den US-Medien gebe es nicht, wenn auch Europa als wirtschaftlicher Faktor sehr wohl wahrgenommen werde. (APA)

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