Deutscher Mautbetreiber beklagt Verzögerung bei Geräte-Einbau

9. September 2004, 10:28
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Toll Collect rechnet trotz Problemen mit pünktlichem Start

Das deutsche Maut-Konsortium Toll Collect hält trotz der Probleme beim Einbau der Erfassungsgeräte am 1. Jänner als neuem Starttermin fest. Alle technischen Voraussetzungen für die Einführung der Lkw-Autobahnmaut seien geschaffen, sagte Geschäftsführer Christoph Bellmer am Donnerstagabend vor Journalisten in Berlin. Bellmer verwies auf mehrere erfolgreiche Tests. Sorge bereitet dem Konsortium allerdings, dass bisher erst 45.000 Lkw mit den Geräten für die automatische Erfassung ausgestattet sind.

Seit einem Jahr

Die Maut hätte ursprünglich bereits seit einem Jahr erhoben werden sollen. Wegen technischer Probleme musste das Konsortium um Deutsche Telekom und DaimlerChrsyler den Start jedoch zwei Mal verschieben. Nach Angaben von Toll Collect sind inzwischen 145.000 Erfassungsgeräte ausgeliefert, liegen zumeist aber noch in der Werkstatt. Ziel ist, das satellitengestützte System mit mindestens 450.000 Geräten anlaufen zu lassen.

Abriss

Bellmer appellierte an die Fuhrunternehmen, mit dem Einbau der Geräte nicht länger zu erwarten. Zu Jahreswechsel drohten chaotische Zustände an Grenzübergängen und Raststätten. Der Toll Collect-Geschäftsführer beklagte einen extremen "Abriss" bei den Bestellungen. Pro Woche gingen etwa 2.000 Bestellungen ein; "wir bräuchten 25.000 bis 30.000", sagte er.

Wer kein OBU im Cockpit hat, muss sich manuell einbuchen, entweder an einem der 3.500 Terminals an den Autobahnen oder übers Internet. Sollte der Einbau weiter so schleppend verlaufen, stehen den Truckern Verzögerungen durch Stopps, Parkplatznot und das Anstellen am Automaten bevor. "Diese Sorge haben wir erstmals Ende Juli deutlich gemacht", sagte Bellmer.

Auftrag dürfte sich nicht rechnen

Für die Mutterkonzerne DaimlerChrysler und Telekom dürfte sich der Milliarden schwere Mautauftrag auch auf lange Sicht - er läuft über zwölf Jahre - nicht rechnen. Bisher sei weit über eine Milliarde Euro in die Vorbereitungen geflossen, die Gesamteinnahmen werden auf knapp unter drei Milliarden jährlich beziffert. Davon geht das meiste an den Staat. Er kann die Einnahmenhöhe beeinflussen, indem er die Maut von derzeit durchschnittlich zwölf Cent pro Kilometer erhöht oder auf weitere Straßen oder Fahrzeugklassen ausdehnt.

In die schwarzen Zahlen kann das System allerdings kommen, wenn mit dem jetzt gezahlten Lehrgeld in anderen Ländern Mautsysteme errichtet werden. Laut Bellmer sind erste Anfragen unterwegs. Die britische Regierung hat internationale Konzerne um Vorschläge gebeten - darunter T-Systems und DaimlerChrysler Systems. (APA)

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