Weniger SchülerInnen, arbeitslose LehrerInnen

30. September 2004, 18:40
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Insgesamt werden heuer rund ein Prozent weniger Kinder die Schulbank drücken. Zugleich finden immer mehr Lehrkräfte keinen Arbeitsplatz

Der Beginn des neuen Schuljahres bringt einige Veränderungen in der Schullandtschaft Österreichs mit sich. Während die SchülerInnenzahlen langsam, aber stetig sinken, steigt die Zahl der arbeitslosen LehrerInnen ungleich schneller.

Höhere Bildung boomt

Trotz insgesamt sinkender Schülerzahlen hält im bevorstehenden neuen Schuljahr der Boom zur höheren Schulbildung an. Die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) verzeichnen ein Plus von einem Prozent gegenüber dem Vorjahr, in der Oberstufe der allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) beträgt der Zuwachs sogar 1,4 Prozent. Insgesamt werden aber laut Trendfortschreibungen der Statistik Austria heuer 0,9 Prozent weniger Kinder und Jugendliche die Schulbank drücken, gab das Bildungsministerium bekannt. Die Zahl aller Schüler im Regelschulwesen geht von 1.205.046 im Schuljahr 2003/04 auf auf heuer 1.193.984 zurück.

Volksschulen betroffen

Den deutlichsten Aderlass werden die Volksschulen hinnehmen: 362.845 Schüler werden es heuer sein, im Vorjahr waren es noch 376.556. Das bedeutet ein Minus von 3,6 Prozent für die Volksschulen. Die Hauptschulen werden heuer mit 266.718 genau so viele Schüler stürmen wie noch ein Jahr zuvor. Ein leichtes Plus von 0,4 Prozent wird für die Polytechnischen Schulen mit insgesamt 20.729 Schülern prognostiziert. Für die AHS gibt es insgesamt ein leichtes Plus von 0,6 Prozent. Dabei werden die Schüler in der Unterstufe mit 114.434 gegenüber dem Vorjahr in etwa konstant bleiben, in der Oberstufe wird es mit 77.892 Schülern einen Anstieg von 1,4 Prozent geben.

Kaufmännische Schulen beliebt

Der seit Jahren anhaltende Trend zu den BMHS zeigt sich an Hand von 181.784 Schülern, um 1.857 bzw. ein Prozent mehr als noch im vergangenen Schuljahr. Mit einem Plus von 1,2 Prozent sind dabei die kaufmännischen mittleren und höheren Schulen am beliebtesten, gefolgt von den technisch/gewerblichen (plus 1,1 Prozent) und den land- und forstwirtschaftlichen mittleren und höheren Schulen (plus 0,7 Prozent). Mit 26.197 Schülern starten die Lehrer- und Erzieher-bildenden Schulen in das neue Schuljahr. Das bedeutet ein Minus von 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Fast 4000 LehrerInnen arbeitslos

Mit den sinkende SchülerInnenzahlen steigt die Lehrerarbeitslosigkeit. SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser schlägt Alarm: "Im Juli dieses Jahres waren 3.906 LehrerInnen als arbeitslos gemeldet, dies sind um fast 500 mehr als im Juli des Vorjahres. Für 3.000 dieser Lehrer ohne Job trägt die Bundesregierung die Verantwortung", so Niederwieser. Besonders betroffen sind Lehrkräfte in Volksschulen und solche mit den Unterrichtsfächern Religion und Kunst.

Unterrichtsstunden gekürzt

Der SPÖ-Bildungssprecher sieht den Grund für diese dramatische Entwicklung in den Maßnahmen der Regierung. "Allein 3.000 Lehrerinnen und Lehrer haben keinen Job, weil die Unterrichtsstunden um bis zu zehn Prozent gekürzt wurden und weil der Stellenplan von Ministerin Gehrer kein Eingehen auf Besonderheiten der Kinder - sei es sonderpädagogischer Förderbedarf, zusätzlicher Förderunterricht oder sprachlicher Zusatzunterricht - vorsieht." Die Schüler-Lehrer-Verhältniszahlen seien nur ein zusätzlicher, aber weitaus weniger ausschlaggebender Grund für die arbeitslosen Lehrer, so Niederwieser.

Ganztagsschulen schaffen Abhilfe

Einen Ausweg aus dieser Krise sieht der SPÖ-Bildungssprecher in der Verwirklichung des SPÖ-Modells von ganztägig geführten Schulen. "Hätte die Regierung unsere Forderung nach zusätzlichen 10.000 Ganztagsschulplätzen erfüllt und die entsprechenden Barrieren abgebaut, dann hätte nun ein beträchtlicher Teil der arbeitslosen Lehrerinnen und Lehrer Arbeit." (apa)

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