WWF: Soja verdrängt Wildbestände

4. September 2004, 10:00
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Naturlandschaften und Wildtiere in Südamerika bedroht - Steigende Nachfrage für Tierfutter in Industrieländern

London - Der zunehmende Anbau von Soja in Südamerika droht bis 2020 nach Angaben der Umweltstiftung WWF rund 22 Millionen Hektar Urwälder und Savannen zu zerstören. Das entspreche etwa der Fläche Großbritanniens, berichtete die Organisation am Freitag in Genf.

Rasche Landrodung

Die globale Nachfrage nach Soja wird sich in den kommenden 20 Jahren verdoppeln. Grund für den steigenden Bedarf ist vor allem die immer größere Nachfrage aus den Industrieländern. Dort wird Soja in erster Linie als Tierfutter verwendet. Zu den klassischen Anbauländern zählen unter anderem Argentinien, Bolivien, Brasilien und Paraguay. Allein in diesen Staaten hat sich die Anbaufläche von 1994 bis heute mehr als verdoppelt.

Die rasche Landrodung hat bereits zahlreiche Naturlandschaften wie etwa die atlantischen Wälder in Süd-Brasilien und im östlichen Paraguay vernichtet. Auch die Savannen, in denen zahlreiche seltene Wildtiere wie Jaguare, Wölfe und Ameisenbären leben, Chaco in Argentinien und Cerrado in Brasilien, sind den Sojaplantagen zum Opfer gefallen.

Vorgeschlagener Rotationsplan

Nach dem Bericht des WWF "Managing the Soy Boom" wird vor allem die EU und China für die steigende Nachfrage verantwortlich. Die Umweltschutzorganisation hat errechnet, dass bis 2024 etwa 16 Mio. Hektar Savanne und sechs Mio. Hektar tropische Regenwälder den neuen Sojaplantagen zum Opfer fallen werden. Die Europäische Union importierte laut WWF im vergangenen Jahr allein für Viehfutter 30 Millionen Tonnen Sojamehl.

Mit einem Rotationsplan der wechselseitigen Landnutzung mit den Viehzüchtern könnte die Zahl aber deutlich gesenkt werden. In den Berechnungen sogar auf nur 3,7 Mio. Hektar Neurodung. In Feldversuchen waren diese Ergebnisse des Rotationsprinzips durchaus positiv, da die Dichte der Pflanzen deutlich zunahm.

Verbrauch

Nach WWF-Angaben verbraucht etwa ein Schweizer durch seinen jährlichen Konsum von Milch, Eiern und Fleisch die Ernte eines Sojafeldes von Tennisplatzgröße. Die Fleischproduzenten in Europa sollten darauf achten, welches Futter sie nutzen.

Auch die Förderung nachhaltiger Sojaproduktion wird von der Umweltorganisation als erfolgreiches Modell angesehen. So konnte mit der schweizerischen Coop-Supermarktkette ein Kriterienkatalog zur nachhaltigen Produktion der Pflanzen erstellt werden. Weitere Unternehmen sollen folgen. Im nächsten März will die Umweltstiftung in Südamerika einen internationalen Runden Tisch organisieren, an dem Unternehmen gemeinsam mit Umwelt- und Sozialorganisationen Lösungen für einen nachhaltigen Soja-Anbau finden sollen. (pte/APA)

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    Ein Sojafeld in Brasilien

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