Nach versuchtem Selbstmord in jungen Jahren

10. September 2004, 17:38
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Studie empfiehlt frühzeitigen Kontakt zu den Betroffenen und deren Familienmitgliedern

Leipzig - Nach einem Selbstmordversuch von Kindern oder Jugendlichen ist ein frühzeitiger Kontakt zu den Betroffenen und deren Familienmitgliedern enorm wichtig. Gerade unter emotionaler Anspannung sei die Bereitschaft und das Verlangen zu reden besonders stark, ergab eine Studie der Universität Leipzig. Die Wissenschafter hatten an der Poliklinik für Kinder und Jugendliche 79 Fälle versuchten Freitods untersucht.

"Ziel unserer Studie war jedoch nicht nur die Analyse des Geschehenen und die Aufdeckung der jeweiligen Hintergründe", betont die Psychologin Petra Nickel. Ziel sei vor allem gewesen, praktische Orientierungshilfen für die Krisenintervention nach Suizidversuchen von Kindern und Jugendlichen zu geben. "Wir vermeiden in jedem Falle bewertendes, moralisierendes, vorwurfsvolles Verhalten gegenüber den Verzweifelten", erläutert Nickel. Es gehe vielmehr immer darum zu erfragen, welche Ereignisse oder Umstände das Kind oder den Jugendlichen zu seiner Tat getrieben hätten.

Anstöße

Mit der medizinischen Rettung nach einem Suizid sei die Sehnsucht nach dem Tode nicht automatisch erloschen. "Wir - als die ersten, die dem jungen Menschen nach seiner Verzweiflungstat begegnen - müssen ihm Anstöße geben", sagt Nickel. Zudem müssten die ärztlichen Betreuer den Patienten die Möglichkeit bieten, "zu kommunizieren, seine eigenen Ressourcen zu aktivieren, über Auswege nachzudenken, Hilfe anzunehmen."

Ursachen

Entwicklungsstörungen, Versagensängste und Überforderung in Zusammenhang mit der Schule waren bei 27 Patienten die Auslöser des Selbstmordversuchs. Bei 24 Jugendlichen lagen die Ursachen in sozial-emotionalen, neurotischen und Belastungsstörungen. Liebeskummer ließ dagegen nur drei der Patienten keinen anderen Ausweg sehen.

Den Weg in den Tod wollten die Betroffenen vor allem mit Hilfe von Tabletten gehen. 45 von ihnen griffen den Angaben zufolge nach Schmerzmitteln, zwölf nach Psychopharmaka und Beruhigungsmitteln. In der Regel fanden sie diese Arzneien in der Hausapotheke oder kauften sie in der Apotheke. (APA/AP)

  • Gerade unter emotionaler
Anspannung sei die Bereitschaft und das Verlangen zu reden besonders
stark, ergab eine Studie der Universität Leipzig.
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    Gerade unter emotionaler Anspannung sei die Bereitschaft und das Verlangen zu reden besonders stark, ergab eine Studie der Universität Leipzig.

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