"Erste Sicht" der Gesetzesinterpretationen

14. September 2004, 11:17
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ORF-Finanzdirektor Alexander Wrabetz hofft auf "modus vivendi" für Werberegeln

Dass die Medienbehörde bei ihrer ersten Werbebeobachtung im ORF-Radio und -Fernsehen Verstöße vermutet hat, überrascht Alexander Wrabetz, Kaufmännischer Direktor des ORF, nicht, sagt er im APA-Gespräch. "Wir sind aber auf den ersten Blick der Meinung, dass die Vorfälle überwiegend aufklärbar sind", so Wrabetz am Rande der Mediengespräche Alpbach. Man werde nun die entsprechenden Stellungnahmen abgeben und "hoffen, dass sich die Behörde unserer Sichtweise anschließt". Ist das nicht der Fall, seien aber über kurz oder lang "maßgebliche Auswirkungen auf das Programm" wohl nicht zu vermeiden.

"Ohne Sponsoren nicht machbar"

"Frisch gekocht ist halb gewonnen" etwa sei "ohne Sponsoren nicht machbar", so der Finanzdirektor. Bei der nachmittäglichen Kochsendung vermutet die Behörde unzulässiges Product Placement - wie vor ihr auch schon der Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ). Wrabetz betont indes, dass man sowohl in der Werbetochter Enterprise als auch in der ORF-Rechtsabteilung sogar zusätzliche Juristen eingestellt habe, um eventuelle "Fehler" zu vermeiden. Das alles sei eben eine "hochkomplexe Materie", seufzt Wrabetz, ein "modus vivendi" müsse noch gefunden werden. "Böswilligkeit" wolle man der Behörde aber auch nicht unterstellen, "es geht eben um eine erste Sicht" der möglichen Interpretationen des ORF-Gesetzes und seiner Werbebeschränkungen.

Neun Stichproben

Seit August ist die Medienbehörde KommAustria damit beauftragt, die Werbepraxis der österreichischen Radio- und Fernsehsender - sowohl ORF als auch Private - zu beobachten und mutmaßliche Verstöße aufzuzeigen. Neun Stichproben wurden im August vorgenommen, und neun Mal wurden die KommAustria-Mitarbeiter fündig. Auf Grund der Stellungnahme wird die Behörde entscheiden, ob Verfahren eingeleitet werden. Im Fall des ORF ist der Bundeskommunikationssenat (BKS) zuständig.

Nicht Leid tut es dem Kaufmännischen Direktor um die acht Millionen Euro, die in die ORF-Sommershow "Expedition Österreich" investiert wurden. Dieses blieb quotenmäßig hinter früheren ORF-TV-Events wie zuletzt "Starmania" zurück. "Vielleicht waren die eigenen Erwartungen zu hoch, aber immerhin hat jede Sendung bis zu 250.000 und 300.000 Zuschauer gehabt. Das ist für diese Tageszeit nicht schlecht", zeigt sich Wrabetz gelassen. "Der falscheste Schluss, den man ziehen könnte ist, dass man nichts probieren darf." (APA)

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    Ihm tut es um die acht Millionen Euro, die in die "Expedition Österreich" investiert wurden, nicht leid, Alexander Wrabetz.

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