Umstrittenes Soldaten-Denkmal in Estland entfernt

10. September 2004, 18:33
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Gewaltsame Proteste beim Abbau des Soldaten in Wehrmachtsuniform

Tallinn - Bei der Entfernung eines umstrittenen Denkmals für estnische Soldaten, die im Zweiten Weltkrieg an der Seite Hitler-Deutschlands gegen die Sowjetunion gekämpft hatten, hat es am Donnerstagabend im der estnischen Ortschaft Lihula gewaltsame Proteste gegeben. Laut estnischen Zeitungsberichten versammelten sich Hunderte Menschen um das Denkmal. Beim Abtransport des Gedenksteins warfen einige Protestierer Steine auf Polizeifahrzeuge. Dabei wurde ein Fahrer verletzt, Fahrzeugscheiben gingen zu Bruch. Die Polizei setzte laut Nachrichtenagentur BNS Hunde und Tränengas ein.

Das Denkmal war erst am 20. August eingeweiht worden. Die Regierung in Tallinn hatte bereits angekündigt, das Monument entfernen zu lassen, da es ihrer Ansicht nach illegal auf staatlichem Grund und Boden errichtet wurde. In einer Erklärung hieß es, das Denkmal sei für den Ruf Estlands schädlich. Ministerpräsident Juhan Parts hatte es davor als "Provokation" bezeichnet.

Abbau bereits vor zwei Jahren

Die von Kriegsveteranen in Auftrag gegebene Skulptur zeigt einen estnischen Soldaten in Wehrmachtsuniform. Die ursprünglich auf der Uniform angebrachte SS-Rune wurde nach Protesten bereits vorher entfernt. Vor zwei Jahren war dasselbe Denkmal bereits im Seebad Pärnu aufgestellt worden, nach Intervention des damaligen Ministerpräsidenten und jetzigen EU-Kommissars Siim Kallas wurde es jedoch umgehend wieder abgebaut.

Nach der erzwungenen Umwandlung ihres Heimatlandes in eine Sowjetrepublik im Jahr 1940 empfanden viele Esten den Einmarsch der Deutschen ein Jahr später als Befreiung. Während der vierjährigen deutschen Besatzung nahmen Zehntausende Esten am Krieg Deutschlands gegen die Sowjetunion teil. Es gab auch Esten, die in der finnischen Armee kämpften oder als unabhängige Partisanen. Auf der anderen Seite kämpften ebenfalls Esten in den Reihen der Roten Armee. (APA)

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