Gemeinsam statt einsam wohnen

2. September 2004, 21:18
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In der WG zählen Ordnung und Einteilung

Wenn in der Wohngemeinschaft von Julius (25), Dragos (25) und Alexandru (26) einmal gekocht wird, muss es ein besonderer Tag sein: "Nach einer bestandenen Prüfung als Belohnung" etwa, sagt Dragos. Diesmal werden sie von ihrer Freundin Silvia (22) kulinarisch verwöhnt.

Einteilung ist für die drei Medizinstudenten die halbe WG-Gemütlichkeit. Seit sie einen wöchentlich rotierenden Putzplan entwickelt haben, verläuft das Zusammenleben in der 80-m²-Wohnung in der Wiener Bennogasse sehr harmonisch. Nur manchmal müsse jemand "erinnert werden". Auch "Sanktionen" in der Höhe von fünf Euro waren fürs "Vergessen" von Hausarbeit bereits im Gespräch. Das eigene Zimmer reinigt jeder selbst. Eingeteilt sind in der Studenten-WG selbst die Kühlschrankfächer, eingekauft wird auch getrennt.

Dragos kam 1990 mit seinen Eltern von Rumänien nach Österreich, Julius 1998. Beide kennen sich bereits aus ihrer Zeit im Studentenheim. Als sie vor einem Jahr ihre Wohngemeinschaft gründeten, war auch die Nationalität des dritten Wohnungsgenossen eine Überlegung: "Wir dachten uns, fragen wir lieber noch einen Rumänen, sonst ergeben sich vielleicht Probleme durch die Sprache." Niemand sollte sich ausgegrenzt vorkommen, wenn die beiden, die mittlerweile nicht nicht nur perfekt Deutsch sprechen, sondern auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, zu Hause rumänisch reden. So kam Alexandru als Neuzugang in die WG.

Als "Zuhause" empfindet Dragos die WG jedenfalls. Kein Vergleich mit dem "Schachtelgefühl" im Heim. Auch Alexandru, der Einzige mit Freundin, schätzt die Privatsphäre. Manchmal sei es sogar "fad", wenn die anderen beiden nicht zu Hause sind.

Alexandru arbeitet drei Tage in der Woche im Sozialverein "Seniorenhilfe", um sich die Lebenskosten leisten zu können. Aber selbst wenn er sich eine eigene Wohnung finanzieren könnte, würde er die WG-Gemeinschaft als geeignetes Lebenskonzept wählen: "Es gibt mehr Vorteile als Nachteile." Wie etwa die Motivation durch die Mitbewohner oder Kommilitonen.

"Zwölfer-Haus"

Auf Motivation setzt man auch in einer Groß-WG in Wien-Floridsdorf. Gilt es doch einen Zwölf-Personen-Haushalt zu organisieren. Zum Wäschewaschen gibt's extra zwei Waschmaschinen, und "man muss halt schauen, dass man zur richtigen Zeit seine Ladung reinwirft". Das Miteinander funktioniere auf jeden Fall seit zwei Jahren gut, versichert "Erstmieterin" Bea von Schrader. Die 36-Jährige lebt mit ihren drei Kindern und einem Mitbewohner auf einer Ebene des Zinshauses. Darüber wohnt der Rest: sechs Pärchen plus ein "Single" - alle um die 20 Jahre alt.

Dachboden, Keller und Garten bieten zusätzlichen Raum. "Einige haben zum Beispiel ein Theater am Dachboden vorbereitet", erzählt von Schrader: "Für mich war diese Wohnform der erste Schritt, damit Künstler zusammenwohnen und arbeiten können." Regeln im klassischen Sinn scheinen hier verpönt: Am Donnerstag fühlten sich offenbar die Kinder für das gemeinsame Essen verantwortlich: Sie luden in die "Palatschinkenkuchl". (Karin Moser; Peter Mayr/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.9.2004)

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