France Telecom brachte 5,1 Milliarden

17. September 2004, 16:52
1 Posting

9,6 Prozent der Anteile verkauft - Gewerkschaft ruft zu Streiks gegen Privatisierung am nächsten Dienstag auf - Wandelanleihe geplant

London/Paris - Mit dem Verkauf von Anteilen an France Telecom hat der französische Staat bei der größten Aktienplatzierung in Europa seit rund vier Jahren Bankenkreisen zufolge 5,1 Mrd. Euro eingenommen. Zu den 4,5 Mrd. Euro kämen 600 Mio. Euro aus einer Mehrzuteilungsoption (Greenshoe), die die Konsortialbanken ausübten, hieß es am Donnerstag in den Kreisen. Die Regierung will die Einnahmen zum Schuldenabbau verwenden. Die französischen Gewerkschaften haben die 106.000 France Telecom-Mitarbeiter indes für nächsten Dienstag, 7. September, zu Streiks gegen die Privatisierung aufgerufen.

"Rein finanzielle Gründe"

Die Herabsenkung des staatlichen Aktienanteils auf weniger als 50 Prozent erfolgte aus "rein finanziellen Gründen" und um "die Staatskasse zu füllen", erklärten die Gewerkschaften. Das Pariser Finanzministerium hatte am Vortag bekannt gegeben, dass mindestens weitere 9,6 Prozent des Aktienkapitals von France Telecom an die Börse gebracht werden, womit der Staatsanteil auf maximal 43,5 Prozent sank. Die Gewerkschaften forderten von der Konzernleitung Verhandlungen über die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung, zumal die Beschäftigten unter Stellenstreichungen und Einsparungen im Kundenservice litten.

Der Verkauf des Aktienpakets, den die Regierung am Vortag angekündigt hatte, war an den Finanzmärkten für dieses Jahr erwartet worden, wenngleich Marktteilnehmer vom Termin überrascht wurden. "Das war eine große Platzierung und es ist eine Erleichterung, dass der Markt die ganzen Aktien aufgenommen hat", sagte Portfoliomanager Jankees Ruizeveld vom niederländischen Fonds Robeco in Rotterdam. "Wir haben auf diese Platzierung gewartet, um große Mengen an France Telecom zu kaufen." Ein mit der Transaktion vertrauter Banker sagte: "Der Verkauf lief gut - tatsächlich so gut, dass einige Fondsmanager die Aktien, die sie nachgefragt haben, nicht bekommen haben."

Große Nachfrage

In Bankenkreisen hieß es, der Greenshoe von 31,5 Mio. Aktien habe zugeteilt werden können, weil die Nachfrage innerhalb der von den Konsortialbanken vorgegebenen Preisspanne groß genug gewesen sei. "Der Greenshoe wurde bei Fondsmanagern platziert und, da die Aktien gut laufen, erwarte ich nicht, dass diese zurückgekauft werden müssen", hieß es in den Kreisen. Die Konsortialbanken haben die Möglichkeit, die beim Greenshoe zugeteilten Aktien zur Stabilisierung der Aktienkurse zurückzukaufen. Die Aktien von France Telecom erholten sich am Donnerstag von den Verlusten des Vortages und legten stärker als der Gesamtmarkt 1,5 Prozent auf 19,36 Euro zu.

Bei einem Zuteilungspreis von 19,05 Euro je Aktie seien die ausgegebenen Anteilsscheine 1,2- bis 1,3-fach überzeichnet gewesen, hieß es weiter. Das von Morgan Stanley angeführte Bankenkonsortium, zu dem auch Merrill Lynch und ABN Amro gehören, halte noch 31,5 Millionen Aktien des Telekommunikationskonzerns, die zur Stabilisierung des Aktienkurses nach der Emission eingesetzt werden sollen.

Wandelanleihe

Am Mittwoch war zudem bekannt geworden, dass France Telecom eine Wandelanleihe begeben will. Am Donnerstag nannte das Unternehmen die endgültigen Konditionen für diese Emission. Sie soll ein Volumen von gut einer Mrd. Euro umfassen, wobei eine Mehrzuteilungsoption von 15 Prozent vorgesehen ist. Dadurch könnte das Emissionsvolumen auf 1,15 Mrd. Euro steigen.

Das Papier soll mit einer Laufzeit bis zum 1. Jänner 2009 ausgestattet und nominal mit 1,6 Prozent verzinst werden (Kupon). Die Papiere werden zu 2,581 Euro pro Stück ausgegeben, woraus sich eine Wandlungsprämie von 35,49 Prozent ergibt. Die Anleihen können ab dem 20. Oktober 2004 zu jedem Zeitpunkt in Aktien des Unternehmens umgetauscht werden. Vom Freitag bis zum 7. September können die Papiere gezeichnet werden. Ab dem 10. September ist der Handel mit ihnen an der Pariser Börse vorgesehen. Konsortialführer bei der Wandelanleihe sind BNP Paribas, Goldman Sachs International und SG Corporate and Investment Banking.

Privatisierung durch Gesetz ermöglicht

France Telecom hatte 1996 den Status einer hundertprozentig vom Staat gehaltenen Aktiengesellschaft bekommen. Ein Jahr darauf wurden rund 25 Prozent der Aktien an private Anleger verkauft. Im November 1998 sank der Staatsanteil bei einem weiteren Börsengang auf 62 Prozent. Die Privatisierung des Unternehmens wurde durch ein Gesetz ermöglicht, das Ende 2003 vom Pariser Parlament beschlossen wurde. Der neuerliche Börsengang wurde bereits am Mittwoch durch Veräußerung von Aktienanteilen an institutionelle Anleger eingeleitet und soll so schnell wie möglich abgeschlossen werden. (APA/Reuters)

Share if you care.