Kerry soll "die Hosen herunterlassen"

4. September 2004, 19:08
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Die Fans des demokratischen Kandidaten John Kerry werden ungeduldig

Die Fans des demokratischen Kandidaten John Kerry werden ungeduldig: Er soll endlich seine Kritiker zum Schweigen bringen, die sich – auch auf der Republikaner-Convention – über seine Vietnam-Wunden lustig machen

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Mit violetten Herzen (Purple Hearts) geschmückte Heftpflaster auf den Wangen von Delegierten des Republikaner- Parteitags sollen bedeuten, dass der demokratische Kandidat John Kerry seine Verwundetenmedaillen mit oberflächlichen Kratzern verdient hatte. Gleichzeitig kam zu Wochenbeginn die Anti-Kerry- Gruppe Swift Boat Veterans for Truth mit einem dritten Werbespot heraus, in dem Kerry beschuldigt wird, nach seiner Rückkehr aus Vietnam seine Medaillen in einer Protestaktion weggeschmissen zu haben.

Der Republikaner John McCain, der die Spots von neuem als "Ekel erregend" bezeichnet hatte, versuchte vergeblich, Präsident George W. Bush dazu zu bringen, speziell diese Spots dieser Gruppe zu verdammen. Bush bleibt jedoch dabei, dass es überhaupt keine Spots unabhängiger Gruppen geben soll.

Kerry, dessen Umfragewerte als Folge der Werbespots der "Swifties" gesunken sind, wird nun auch aus den eigenen Reihen attackiert, er habe nicht rasch und scharf genug zurückgeschossen. Kerry solle endlich "die Hosen herunterlassen" und den Amerikanern seine in Vietnam erworbenen Narben zeigen. Und es kursieren Gerüchte über drastische Änderungen in seinem Wahlkampfteam.

Selbst thematisiert

Republikaner sind der Ansicht, die Attacken seien deshalb berechtigt, weil Kerry selbst sein Heldentum in Vietnam bei der demokratischen Convention in den Mittelpunkt gestellt hat.

Mittlerweile verurteilte Expräsident und Präsidentenvater Bush senior die "totalen Lügen", er habe seinen Einfluss geltend gemacht, um seinem Sohn den Militärdienst in Vietnam zu ersparen – George W. diente in der Nationalgarde von Texas und wird beschuldigt, seinen Dienst nur teilweise abgestattet zu haben.

Mittwoch brach Kerry mit einer Wahlkampftradition, nämlich der, dass der Gegenkandidat während der Convention seines Widersachers keine öffentlichen Auftritte tätigt: Kerry hielt eine Rede vor der Veteranenvereinigung American Legion und erklärte, er würde den Krieg gegen den Terror effektiver als George W. Bush führen, ging allerdings mit keinem Wort auf die schwelende Kontroverse seines Dienstes in Vietnam ein. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.9.2004)

Von Susi Schneider aus New York
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Hochkonjunktur für Anti-Kerry-Bücher bei der Republikaner-Convention.

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