"Ich tue nichts Unanständiges"

20. September 2004, 12:39
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Nachdem seine Verlängerung als FMA-Chef bereits perfekt war, hat Andreas Grünbichler nun doch abgesagt. Warum, erklärt er im STANDARD-Gespräch

Wien - Für ein gerüttelt Maß an Aufregung sorgt derzeit der Chef der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA), Andreas Grünbichler. Der 40-jährige Uni-Professor ist seit Gründung der FMA gemeinsam mit Kurt Pribil (Exkabinettmitglied von Kanzler Wolfgang Schüssel) im Vorstand der Behörde, der Vertrag läuft mit 21. Oktober aus.

Die Verlängerung für weitere fünf Jahre war bereits fix: Bundespräsident Heinz Fischer hat die Bestellungsurkunde bereits unterfertigt.

Eklat

Doch inzwischen hat es sich Grünbichler anders überlegt. Am 20. August teilte Grünbichler Finanzminister Karl-Heinz Grasser und FMA-Aufsichtsratsvorsitzendem Alfred Lejsek per Brief mit, dass "ich ein interessantes Jobangebot habe, das ich gerne annehmen möchte". (Grünbichler).

Der Eklat ist perfekt. Im Finanzministerium wirft man Grünbichler "Affenzirkus und schlechte Kinderstube" vor. Am Montag widmet sich der FMA-Aufsichtsrat der Causa.

STANDARD: Sie bleiben nun doch nicht FMA-Chef. Warum haben Sie sich so spät entschieden?

Grünbichler: Nächsten Montag tagt der Aufsichtsrat, ich habe ihn und den Finanzminister am 20. August informiert. Es ist doch vernünftiger, den Schnitt jetzt zu machen als in einem halben Jahr.

STANDARD: Warum haben Sie sich mit einem neuen Job in der Tasche überhaupt beworben?

Grünbichler: Ich habe keinen neuen Vorstandsvertrag mit dem FMA-Aufsichtsrat unterschrieben und tue nichts Unanständiges. Ich habe ein interessantes Job-Angebot, die Modalitäten rundherum kläre ich im FMA-Aufsichtsrat.

STANDARD: Wie lange bleiben Sie noch in der FMA, und vor allem: Wohin wechseln Sie?

Grünbichler: Ich gehe in den erweiterten Vorstand eines börsenotierten Finanzunternehmens mit spannender Zukunft in einem Nicht-EU-Land. Alles andere richte ich meinem Aufsichtsrat nicht über die Medien aus.

STANDARD: Es heißt, es gehe Ihnen um Geld sowie auch um eine feinere Büroadresse. Und im Finanzministerium ruft man Ihnen nach, "einen Affenzirkus" veranstaltet zu haben.

Grünbichler: Kein Kommentar. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.9.2004)

Zur Person

Andreas Grünbichler (40) war Wirtschaftsprofessor an der Universität St. Gallen, im Vorstand der Steiermärkischen Sparkasse und seit Herbst 2001 in der FMA

Das Gespräch führte Renate Graber

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