Ein Händedruck und neunzig Minuten

4. September 2004, 21:07
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Für Kapitän Andreas Ivanschitz zählt das England-Match, nicht Herr David Beckham - Stranzl: "Im Prinzip wollen wir den Sieg"

Wien - Mittagsplausch, Teil vier. Teamchef Hans Krankl lebt im Wiener Trainingslager den verbalen Zweitagesrhythmus (Motto: Willst was gelten, mach' dich selten), er sprach am Montag, am Mittwoch und wird logischerweise auch heute, Freitag, zu den Problemen und Erfreulichkeiten des österreichischen Fußballs Stellung beziehen. Am Samstag wird das Schema vom Match gegen England (20.30 Uhr) abrupt durchbrochen.

Der ÖFB hätte 200.000 Karten verkaufen können, bedauerlicherweise passen ins Happel-Stadion nur 47.000 Menschen. Es wird empfohlen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen, jenen, die Staus verachten, sei empfohlen, die Parkhäuser der Wiener Messe zu benutzen, pro Stunde kostet das einen läppischen Euro. Aus England kommen 2400 Fans (man kennt ihre Namen), die Sicherheitsvorkehrungen sind derart gestrickt, dass wenig bis nichts passieren sollte. Das Vertrauen in die Wiener Polizei ist vermutlich weit größer als jenes ins Nationalteam.

"Müssen positiv denken"

Andreas Ivanschitz, womit die Katze aus dem Sack und der erste Mittagsgast geoutet ist (der zweite war Martin Stranzl), hört das nicht gerne. "Wir dürfen nicht alles negativ sehen, müssen positiv denken. Die Mannschaft lernt sich immer besser kennen." Als Kapitän wird Ivanschitz dem berühmten David Beckham die Hand schütteln, der trägt Englands Binde: "Ich freue mich aufs Spiel, nicht auf den Händedruck. Die zehn Sekunden sind nichts gegen die 90 Minuten danach." Prinzipiell sei Beckham ein Unikum: "Es wird in den nächsten 30 Jahren keinen zweiten geben. Er ist Stilikone und ein guter Fußballer." Für ihn, Ivanschitz, sei es unvorstellbar, "dass mein Privatleben einmal so öffentlich gemacht wird. Ich will auch Vorbild sein, aber nicht um diesen Preis."

"Müssen hellwach sein"

Verteidiger Stranzl sehnt das Match herbei: "Ich hoffe, meinen Kollegen geht das auch so. Ein attraktiver Gegner, ein volles Stadion." In einer WM-Qualifikation zählten nur die Punkte, "von einer guten Leistung hat man noch weniger als normal. Wir müssen den Grundstein legen. Im Prinzip wollen wir den Sieg. Sollten wir aber mit Anstand verlieren, wird uns niemand den Kopf abreißen." Entscheidend werde sein, "wie wir auf verschiedene, unvorhersehbare Situationen reagieren. Alle müssen hellwach sein."

Eine Unbekannte

Alle sind bekanntlich elf, die Aufstellung steht praktisch fest. Krankl lässt ja nicht zum Spaß in bestimmten Formationen üben (hoffentlich). Das Tor darf/muss Andreas Schranz hüten, die Viererkette bilden Standfest, Stranzl, Martin Hiden und Pogatetz (von rechts), das Mittelfeld Sick, Kühbauer, Aufhauser und Ivanschitz (auch von rechts). Stürmen und drängen soll Haas, sein Partner, dies die Unbekannte, wird Kollmann oder Glieder sein, angeblich tendiert Krankl zu Glieder. Angeblich ist die Stimmung nicht gerade furios.

Rute im Fenster

Sollten die Österreicher nicht mit Anstand, sondern unanständig hoch verlieren, könnte es für den Teamchef eng werden. "Wir müssen positiv denken", sagte Ivanschitz. Fortsetzung heute und in den nächsten Tagen, am 8. September geht es schon gegen Aserbaidschan weiter. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 3. September 2004, Christian Hackl)

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    David Beckham bezieht sein Quartier im Wiener Hotel Continental.

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    Andreas Ivanschitz denkt positiv bei Rapid und auch im Nationalteam.

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