Sven-sation für die Yellow Press

4. September 2004, 21:08
2 Postings

Am Anfang stand England seinem ersten ausländischen Fußballteamchef skeptisch gegenüber - Doch Sven-Göran Eriksson hat sich einen Namen gemacht, mit Siegen und Skandalen

London/Wien - Geht es nach Sven-Göran Eriksson, dann könnte mit der Auftaktpartie in der WM-Qualifikation am Samstag im Wiener Happel-Stadion gegen Österreich der Startschuss für eine goldene Ära im englischen Fußball fallen. Der schwedische Teamchef der Engländer hält große Stücke auf seine Schützlinge und traut ihnen bei der WM 2006 in Deutschland den Titel zu. "Wir sind fast auf dem gleichen Level wie Brasilien oder Portugal", sagt der 56-Jährige. "Wir brauchen nur ein bisschen Glück."

Erikssons Zuversicht gründet sich nicht nur auf aktuelle Stars wie David Beckham oder Michael Owen, sondern auch auf die von Wayne Rooney angeführte Generation danach. "Wir sind in der glücklichen Lage, mit Shaun Wright-Phillips, Jermain Defoe, Jermaine Jenas oder Jermaine Pennant aufstrebende Talente zu haben. Das sind Spieler mit Qualität und voller Energie", meint der Teamchef. Auch für Eriksson ragt Rooney heraus, der aber gegen Österreich wegen seines bei der EM erlittenen Mittelfußknochenbruchs ausfällt. "Eines ist klar - Rooney ist ein Supertalent. Seine größte Stärke ist seine Unbekümmertheit. Auf dem Platz ist er immer cool."

Rooneys Fehlen wird die britische Boulevardpresse aber wohl nicht akzeptieren, sollte der WM-Qualifikationsauftakt in Österreich und vier Tage später in Polen nicht die gewünschten Erfolge bringen. Schon bei seinem Amtsantritt im Jänner 2001 sah sich Eriksson, Englands erster ausländischer Teamchef, mit massiven Anfeindungen konfrontiert. Spätestens seit seiner Affäre mit der Verbandssekretärin Faria Alam ist er in der Yellow Press angezählt, bereits zuvor hatten geheime Verhandlungen mit dem FC Chelsea für Unmut in der englischen Öffentlichkeit gesorgt.

Dabei hat Eriksson, der im März seinen Vertrag bis zur EURO 2008 in Österreich und der Schweiz verlängerte, eine durchaus erfolgreiche Bilanz vorzuweisen. Höhepunkte waren unter anderem der "Sven-sationell" betitelte 5:1-Auswärtssieg gegen Deutschland 2001 oder der 1:0-Sieg über den großen Rivalen Argentinien in der Gruppenphase der WM 2002. In seiner Ära als Teamchef gingen nur zwei Pflichtspiele nach regulärer Spielzeit verloren, und das gegen hochkarätige Gegner. Im WM-Viertelfinale 2002 war nach 1:0-Führung gegen den späteren Weltmeister Brasilien mit 1:2 Endstation, in der Gruppenphase der EM heuer im Juni unterlag England dem damaligen Titelverteidiger Frankreich erst durch zwei späte Zidane-Tore 1:2. Im Viertelfinale siegte Gastgeber Portugal im Elfmeterschießen.

Auch in seinen früheren Trainerstationen war Eriksson erfolgreich. Als Spieler keine große Nummer, sorgte er als Coach (ab 1980) für Furore. Mit IFK Göteborg (UEFA-Cupsieg 1982), Benfica Lissabon, AS Roma, Sampdoria Genua und Lazio Rom (Cupsiegercupsieg 1999) errang er insgesamt fünf Meistertitel und sieben Pokalsiege. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 3. September 2004, APA, red)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Englands Fußballer hören auf Sven Göran Eriksson, gemeinsames Ziel ist der WM-Titel 2006.

Share if you care.