Israel droht Syrien mit militärischer Vergeltung

4. September 2004, 16:59
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Außenminister Shalom: Damaskus unterstützt Terror der Hamas - Anstifter der Selbstmordanschläge in Beersheba in Syrien vermutet

Jerusalem/Damaskus/Washington - Israel hat der amerikanischen Regierung "konkrete Beweise" über Syriens Beteiligung an den Selbstmordanschlägen palästinensischer Extremisten in Beersheba gegeben, bei denen am Dienstag 16 Menschen starben. Außenminister Silvan Shalom wollte nach entsprechenden Berichten des israelischen Rundfunks am Donnerstag keine Angaben zu diesen Beweisen machen und erklärte lediglich: "Syrien ist immer an Terrorakten beteiligt. Syrien ist verantwortlich für Terrorakte und hält seine Hand über den Terror." Nach Informationen der israelischen Tageszeitung Ha'aretz glaubt die Regierung, der in Damaskus lebende Moussa Abu Marzuk, ein Führer der palästinensischen Hamas, stehe hinter den jüngsten Anschlägen.

Israels Vizeverteidigungsminister Zeev Boim betonte, Israel sollte Militärschläge gegen Ziele in Syrien in Betracht ziehen, um die "Regel" aufrecht zu erhalten, nach der jeder, der Terrorakte gegen Israel verübt, ein Ziel sei. Wörtlich sagte Boim: "Ich glaube, es ist möglich, diese Schläge bei genauer Auswahl der Ziele und genauer Dosierung durchzuführen, die rote Linie zu setzen, die zu setzen ist, ohne an einen massiven Brand zu denken, der sicher nicht in unserem Interesse ist." Syriens Außenminister Faruk al-Shara wies Israels Vorwürfe als unglaubwürdig zurück. Die beiden Selbstmordattentäter stammten aus Hebron im Westjordanland.

Anti-Syrien-Resolution der USA

In einem Resolutionsentwurf für den UN-Sicherheitsrat forderten indes die USA den Abzug der 20.000 syrischen Soldaten aus dem Libanon. Der Entwurf wird auch von der früheren Mandatsmacht Frankreich unterstützt. Die Initiative richtet sich gegen den syrischen Einfluss auf die Innenpolitik des Libanon. Damaskus bezeichnete das Vorgehen der USA und Frankreichs als "flagrante Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Libanon".

Hintergrund ist eine Entscheidung des libanesischen Kabinetts, das am Wochenende in einer nur mehrere Minuten dauernden Dringlichkeitssitzung beschlossen hatte, die Amtszeit von Präsident Emile Lahoud um drei Jahre zu verlängern. Der Beschluss zugunsten des prosyrischen Präsidenten verletzt die libanesische Verfassung und soll auf Druck aus Damaskus erfolgt sein. An diesem Freitag soll das Parlament in Beirut der Mandatsverlängerung für Lahoud zustimmen. Lahouds reguläre Amtszeit von sechs Jahren endet im November. (red, dpa/DER STANDARD, Printausgabe, 3.9.2004)

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