America's Cup: Früh übt sich, gut promotet sich

10. September 2004, 18:34
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Mit den so genannten "Acts" beginnt am Wochenende vor Marseille das Ballyhoo zum America's Cup der Hochseesegler - Das Finale steigt 2007 vor Valencia, die Zeit will überbrückt werden

Marseille/Wien - Die Schweizerin Alinghi ist nicht nur eine flotte Yacht, sondern auch ein Syndikat. Die Yacht gewann im Vorjahr als erste Europäerin den America's Cup, das Syndikat beauftragte dann die Firma AC-Management mit der Durchführung der nächsten Regatta. Und die AC-Management-Manager beschlossen, dass sie nicht einfach so vier Jahre verfließen lassen wollen, bis wieder in See gestochen wird. Also fällt Sonntag vor Marseille der Startschuss zum ersten "Act", zwei weitere Acts sind im Oktober vor Valencia geplant.

Die Acts sollen einerseits dafür sorgen, dass das öffentliche Interesse nicht gegen null sinkt, und sollen andererseits jungen, finanzschwachen Teams die Chance geben, Erfahrung zu sammeln und ins Rampenlicht zu segeln. So wurden nun vor Marseille insgesamt sechs Boote zu Wasser gelassen, darunter die America's-Cup-Verteidigerin Alinghi und die BMW Oracle, die 2003 vor Auckland den Louis-Vuitton-Cup, das Rennen der Herausforderer, an zweiter Stelle beendet hatte.

Die heurigen Acts haben für den America's Cup noch keine Bedeutung, nächstes Jahr geht's dann schon um Punkte, diese Punkte werden die Zusammensetzung des nächsten Louis-Vuitton-Cups beeinflussen. Ein Act besteht sowohl aus Fleet-Races, an denen alle Yachten teilnehmen, als auch aus Match-Races, in denen einander jeweils nur zwei Boote begegnen.

Viele Syndikate sind noch auf Sponsorsuche, bis dato haben fünf Teams für den America's Cup genannt. Am Louis-Vuitton-Cup werden jedenfalls das "Emirates Team New Zealand", die "BMW Oracle" (USA), die Shosholoza (Südafrika) und die "Luna Rossa" (Italien) teilnehmen, der Sieger segelt im Finale gegen die Alinghi um den Pokal. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass just Alinghi-Chef Ernesto Bertarelli die Neuseeländer, die er 2003 bezwungen hat, nun mit einer Anleihe in zweistelliger Millionenhöhe unterstützte, um ihr Antreten 2007 sicherzustellen.

Die 32. America's-Cup-Auflage wird vor Valencia steigen, womit das älteste Segelrennen der Welt nach 156 Jahren nach Europa zurückkehrt. 1851 bei der Premiere war Southampton der erste Austragungsort, damals gab der Zweimastschoner "America" der britischen Elite das Nachsehen. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 3. September 2004, Fritz Neumann)

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    Die von Henri-Jacques Espérandieu entworfene Notre-Dame de la Garde blickt hinunter, und die für den America's Cup übende Alinghi blickt hinauf zum Wahr- zeichen von Marseille.

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