Angst vor Yukos-Pleite treibt Ölpreise weiter nach oben

20. September 2004, 17:01
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Russischer Konzern warnt vor drohendem Produktionsstopp

Moskau/New York - Die drohende Pleite des russischen Ölkonzerns Yukos hat den Ölpreis am Donnerstag weiter nach oben getrieben. In New York verteuerte sich ein Barrel der Referenzsorte Light Sweet Crude zum Handelsbeginn um 47 Cent auf 44,47 Dollar, nachdem der tagelange Abwärtstrend bereits am Vortag gestoppt worden war.

Yukos warnte angesichts neuer Steuernachforderungen der russischen Behörden, das Einfrieren weiterer Konzernkonten könnte zu einem Ausfall seiner Ölproduktion führen.

Neue Forderungen gegen Yukos

Ein Moskauer Gericht habe der Staatsanwaltschaft am Dienstag erlaubt, alle Einlagen der wichtigsten Produktionsgesellschaften von Yukos einzufrieren, erklärte der mit milliardenschweren Steuernachforderungen konfrontierte Konzern in Moskau. Hintergrund seien neue Forderungen in Höhe von umgerechnet weiteren 2,1 Mrd. Euro, die sich zu den bisher bekannten 2,8 Mrd. Euro für das Jahr 2000 addierten. Die Produktionsfirmen könnten daher ihre Rechnungen nicht mehr begleichen. "Die Auslieferung von Mineralölprodukten in mehr als 40 Regionen der Russischen Föderation wird bedroht sein", warnte Yukos, ohne dafür allerdings einen Zeitpunkt zu nennen. Die Einlagen der Zentrale hatten die Steuerbehörden bereits beschlagnahmt.

Yukos hatte bereits in den vergangenen Wochen wiederholt Befürchtungen geäußert, seine Rohölproduktion bald stoppen zu müssen, weil der Transport nicht mehr bezahlt werden könne. Von den Steuerschulden hat Yukos nach eigenen Angaben bereits mehr als 1,6 Mrd. Euro beglichen. Der Konzern warf den Behörden vor, mit dem Einfrieren der Konten ein weiteres freiwilliges Begleichen der Steuerschuld zu verhindern und die Zerschlagung des Konzerns voranzutreiben. Sollten die Steuernachforderungen zwangsvollstreckt werden, droht Yukos die Pleite.

Ölpreis reagiert

Der Ölpreis reagierte mit einem leichten Anziehen auf die Warnungen aus Moskau; auch eine Hurrikan-Warnung für Florida und die Bahamas hielt die Händler in Atem. In London wurden für ein Barrel der Nordseesorte Brent am frühen Nachmittag 42,20 Dollar gezahlt, 73 Cent mehr als am Vortag. Schon am Mittwoch hatten die Rohölpreise leicht angezogen; zuvor waren sie mehr als eine Woche lang gesunken, nachdem sie Ende der vorvergangenen Woche fast 50 Dollar in New York erreicht hatten.

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) forderte die Ölförderstaaten zu höheren Investitionen in ihre Infrastruktur und zu einem Ausbau der Produktion auf. Anders sei der weltweit wachsende Ölbedarf nicht zu decken, sagte IEA-Chef Claude Mandil der "Financial Times Deutschland" (Donnerstagausgabe). "Die Nachfrage nach Öl steigt schneller als erwartet", betonte Mandil. (APA)

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