Wortlaut: Abtrünniger Demokrat attackiert Kerry

4. September 2004, 19:08
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Der demokratische US-Abgeordnete Zell Miller stellt sich hinter Bush: "Ich bewundere diesen Mann!" - Auszüge aus seiner Konvents-Rede

Seit meinem letzten Auftritt im Licht dieser Scheinwerfer, hat eine neue Generation der Miller- Familie das Licht der Welt erblickt: vier großratige Enkelkinder. Zusammen mit all den anderen aus dem engeren Familienkreis sind sie für mich und Shirley das Wertvollste, was wir haben. Und ich weiß, dass Sie über ihre Familie nicht anders denken. Genau wie Sie frage ich mich daher, welcher Führer die Weitsicht, Willensstärke und Unbeugsamkeit besitzt, um meine Familie zu schützen. Dass ich hier heute zu Ihnen spreche, beantwortet diese Frage bereits. Denn meine Familie ist mit wichtiger als meine Partei. Und es gibt nur einen Mann, dem ich zutraue, die Zukunft zu meistern, und der heißt George W. Bush.

Knocking ...

Im Sommer 1940 – ich war damals ein achtjähriger Bub und wuchs in einem entlegegen Tal der Appalachen auf – war unser Land noch nicht im Krieg, aber selbst wir Kinder wussten, dass es jenseits des Ozeans ein paar Verrückte gab, die alle Amerikaner töten wollten. Präsident Roosevelt erklärte damals in einer Rede, dass die Amerikaner alle privaten Einzelinteressen angesichts der nationalen Bedrohung hintanstellen müssten. Und niemand hat diese von Roosevelt eingeforderte Haltung so beispielhaft umgesetzt wie sein damaliger republikanischer Gegenspieler Wendell Wilkie: Er gab Roosevelt die Unterstützung, die er brauchte, um das Land militärisch vorzubereiten. Und er hat klar gemacht, dass er lieber die Wahl verlieren würde als die nationale Sicherheit zu einem Wahlkampfthema zu machen.

Wo gibt es solche Staatsmänner heute noch? Wo ist die parteiübergreifende Solidarität in diesem Land, wenn wir sie am dringendsten benötigen? Was ist mit der Partei passiert, für die ich ein Leben lang gearbeitet habe?

Es gab einmal eine Zeit, da haben waren die Demokraten überzeugt, dass Amerika die Freiheit gegen die Tyrannei verteidigen muss. Es war der demokratische Präsident Truman, der den Griechen gegen die drohende Machtübernahme durch die Kommunisten beigestanden ist, der die Rote Armee aus dem Iran rausgeworfen und die Blockade Berlins durch die Sowjets mit Hilfslieferungen durchbrochen und so die Stadt gerettetet hat.

Immer wieder haben Republikaner und Demokraten im Laufe der Geschichte zusammengehalten, wenn es darum ging, die Freiheit zu schützen. Aber heute ist das anders.

Weil ihnen Parteipolitik wichtiger ist als die nationale Sicherheit, betrachten die heutigen Führer der Demokraten Amerika als Besatzungs- und nicht als Befreiungsmacht. Erzählen wir das einmal den Menschen in jener Hälfte Europas, die ihre Befreiung Roosevelts "Besatzer"- Armee verdankt!

Aber das meinen heutigen Parteiführern zu erklären, wäre pure Zeitverschwendung. In deren abartiger Sichtweise ist Amerika das Problem und nicht dessen Lösung. Sie glauben, dass es keine schlimmere Gefahr für die Welt gibt als die derzeitige US-Außenpolitik.

Dabei mangelt es ihnen nicht an Patriotismus, wohl aber an Urteilsvermögen. Sie haben behauptet, dass Carters Pazifismus der Welt Frieden bringen würde. – Und lagen falsch damit. Sie haben behauptet, dass Reagans Verteidigungsdoktrin zum Krieg führen würde. Wieder falsch. Und niemand ist in seinen Einschätzungen weiter, krasser und öfter daneben gelegen als das Duo Kennedy-Kerry. Als Senatoren haben die beiden permanent gegen eben jenes Waffensystem opponiert, mit dem wir den Kalten Krieg gewonnen haben und nun den Krieg gegen den Terror gewinnen werden.

Würde man all die Waffen aufzulisten, die Senator Kerry politisch abzuschießen versucht hat, käme man sich vor wie bei einer Zwangsversteigerung der nationalen Sicherheit. Und dieser Mann will Oberbefehlshaber der US- Streitkräfte werden? Bewaffnet womit? Fleischbällchen?

Kerry hat deutlich gemacht, dass er militärische Gewalt nur mit Zustimmung der Vereinten Nationen einsetzen würde. Er will Paris über Amerikas Sicherheit entscheiden lassen. Ich will, dass Bush entscheidet.

Kerry will immer noch die Kriege von gestern führen. Bush weiß, dass neue Bedrohungen neue Strategien erfordern, und ist bereit, alle Mittel zu ergreifen, die im Kampf gegen den Terror nötig sind. Bush will die Terroristen an der Gurgel fassen und ihnen keine Gelegenheit bieten, sich aus dem Würgegriff wieder zu befreien. Kerry will ihnen einen "Ja-nein-vielleicht"-Brei vorsetzen, der unsere Feinde nur ermutigt und unsere Freunde verwirrt.

... on Bush's soul

Ich habe Bush kennen gelernt, als wir beide noch Gouverneure waren. Ich bewundere diesen Mann. Es rührt mich, mit wie viel Respekt er seine First Lady behandelt, wie aufrichtig er seine Eltern und seine Töchter liebt, und dass er sich nicht für seinen Glauben schämt, dass Amerika Gott nicht gleichgültig ist.

Ich kann mich mit jemandem identifizieren, der eine Zeile aus "Amazing Grace" zu seinem Lebensprinzip gemacht hat: "Was blind, but now I see", Und ich weiß die Tatsache zu schätzen, dass er am Sonntagmorgen noch derselbe Mensch ist, der er Samstagabend war. Er ist kein rhetorischer Blender sondern redet Klartext, und wo ich her komme, zählen Taten viel mehr als Worte.

Ich habe an das Tor zu Bushs Seele geklopft und habe darin eine gottesfürchtigen Mann vorgefunden – mit einem Herzen aus Gold und einem Rückgrat aus Stahl. Jenen Mann, dem ich zutraue, mein wertvollstes Gut zu beschützen: meine Familie.

Diese Wahl wird den Lauf der Geschichte nachhaltig verändern. Fragt sich nur wie. Die Antwort muss jeder für sich allein finden.

Gerade jetzt kann sich die Welt ein zauderndes Amerika nicht leisten. Durch furchtsame Selbstgenügsamkeit würden wir alles aufs Spiel setzen, was uns in dieser Welt wichtig und wert ist. In dieser Stunde der Gefahr hatte unser Präsident den Mut, aufzustehen. Und als Demokrat erfüllt es mich mit Stolz, ihm dabei zur Seite zu stehen. (DER STANDARD, Printausgabe, 3.9.2004)

Zell Miller (72) ist Senator aus Georgia und war 1991 bis 1999 Gouverneur seines Heimatstaats;
Übersetzung: M. J.

Nachlese

Demokrat am Republikaner-Parteitag kritisiert Kerry massiv

  • Zell Miller (Hintergrund) will George W. Bush über Amerikas Sicherheit entscheiden lassen, nicht Paris. Denn Kerry, so meint der abtrünnige Demokrat, will Terroristen einen "Ja-nein-vielleicht"-Brei vorsetzen.
    foto: epa/steve mitchell

    Zell Miller (Hintergrund) will George W. Bush über Amerikas Sicherheit entscheiden lassen, nicht Paris. Denn Kerry, so meint der abtrünnige Demokrat, will Terroristen einen "Ja-nein-vielleicht"-Brei vorsetzen.

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