Weltbank-Direktor: Pensionsdebatte in Österreich "geht in die falsche Richtung"

3. September 2004, 19:40
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Robert Holzmann ist gegen neue Ausnahmen im Pensionsrecht

Weltbank-Direktor Robert Holzmann ist gegen neue Ausnahmen im Pensionsrecht. Wer künftig früher in Pension gehen will, müsse eine Mindestpension erreicht haben.

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Alpbach – Die Diskussion über die Pensionsreform in Österreich "geht in die falsche Richtung", sagte Weltbank-Direktor Robert Holzmann am Rande der Wirtschaftsgespräche des Forums Alpbach. Der po-? sitive Ansatz, dass individuelle Pensionskonten eingeführt werden sollen, werde durch Ausnahmebestimmungen ("Hacklerregelung") konter-? kariert. "Solche Sonderregelungen widersprechen der ursprünglichen Ausrichtung der Reform", so Holzmann.

Die Grundfrage müsse sein, wie man mit der steigenden Lebenserwartung umgeht. Fünf bis zehn Jahre solle generell länger gearbeitet werden. Aber die Aufteilung der zusätzlichen Lebenszeit in Arbeit und Freizeit müsse der Einzelne selbst treffen dürfen. Derzeit verhalte sich derjenige am ökonomisch vernünftigsten, der am frühesten in Pension gehe.

Im künftigen Pensionskontensystem würden diejenigen profitieren, die am längsten arbeiten. Ansätze, wo man nach 45 Beitragsjahren mit einer fixen Ersatzrate von 80 Prozent rechnen kann, seien daher in der neuen Logik "vollkommen verfehlt.

Vorgeschrieben werde dann nur noch eine gewisse Mindestlebensarbeitszeit und der Nachweis einer gewissen Mindestpensionsvorsorge, damit "der Bürger dem Staat nicht auf der Tasche liegt."

Im Mittelpunkt der Wirtschaftsgespräche stehen heuer Fragen der Nachhaltigkeit, wobei sich eine höchst kontroversielle Diskussion über den Segen oder den Fluch der Globalisierung entzündete.

Der Zukunftsforscher Matthias Horx malte ein grundsätzlich positives Bild enormer Wachstumsraten in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern, tollen Konsummöglichkeiten und Aufstiegschancen in vermeintlich armen Staaten des Südens.

Demgegenüber sagte Franz Josef Radermacher, Leiter des Institutes für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung an der Universität Ulm: "Eine Welt kann nicht gerecht sein, in der 24.000 Leute täglich verhungern und mehrere Hundert Millionen Kinder keine Schulbildung bekommen."

Radermacher relativierte auch das "optisch" tolle Wirtschaftswachstumsraten: Ein zehnprozentiges Wachstum in China sei pro Kopf ein Drittel des Wertes von einem Prozent Wachstum in Österreich." (Michael Bachner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.9.2004)

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