Kolportiert: Jubeljahr 2005: Historiker geht ab

3. September 2004, 16:53
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Kurator Günter Düriegl soll Manfried Rauchensteiner als wissenschaftlicher Leiter der Staatsvertragsausstellung ablösen

Das Projekt stand von Anfang an unter keinem guten Stern: Die zentrale Staatsvertragsausstellung für das Jubiläumsjahr 2005 im Oberen Belvedere wurde zuerst von der Regierung abgesagt, dann mithilfe eines von Hannes Androsch und Herbert Krejci gegründeten Komitees wiederbelebt – nun gibt es erneut Probleme.

Der wissenschaftliche Leiter, der Militärhistoriker Manfried Rauchensteiner, zieht sich nach internen Meinungsverschiedenheiten zurück. An seine Stelle soll Kurator Günter Düriegl treten, ehemals Direktor des Historischen Museums der Stadt Wien und von SPÖ-Stadtrat Andreas Mailath-Pokorny nominiert.

Die Rochade auf wissenschaftlicher Ebene hat einen machtpolitischen Hintergrund: Die Ausstellung mit dem Titel "Das neue Österreich" wird vom Bundeskanzleramt, der Stadt Wien und privaten Sponsoren zu je einem Drittel finanziert – und gilt als Gegenstück zur Schallaburg-Schau "Österreich ist frei" in Niederösterreich. Von Anfang an standen die beiden Ausstellungen in Konkurrenz zueinander, beide beanspruchten den Titel "zentrale Staatsvertragsschau".

In Niederösterreich stellt der Ausstellungsmacher, der Historiker Stefan Karner (ein Freund von Kanzler Wolfgang Schüssel),? die beiden landeseigenen Staatsmänner Julius Raab und Leopold Figl als "Helden ihrer Zeit" ins Zentrum. In Wien sollte der Bogen von Anfang an breiter gespannt sein. Auch rote Helden der Nachkriegszeit sollen gewürdigt werden genauso wie soziale Errungenschaften und die Neutralität. Androsch drängte zuletzt auch darauf, die Rolle der Wirtschaft besonders hervorzuheben – schließlich wird die Ausstellung maßgeblich von Sponsoren finanziert. Das soll dem Vernehmen nach mit ein Grund für Rauchensteiners Rückzug gewesen sein. (Barbara Tóth/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.9.2004)

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    soll Manfried Rauchensteiner ablösen.

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