Kaukasus: Seit Jahrhunderten blutige Konflikte

15. September 2004, 10:06
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Hamburg - Der Kaukasus, eine Region vieler Völker, Kulturen und Religionen zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer, gilt als die Achillesferse Russlands. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion flammten dort zahlreiche Konflikte auf. Der Krieg tschetschenischer Rebellen gegen die Vorherrschaft Moskaus stellt dabei eine Reihe von Gebietsstreitigkeiten unter einzelnen Bergvölkern völlig in den Schatten. Anfangs auf sich allein gestellt, haben die Aufständischen inzwischen Hilfe ausländischer islamischer Extremisten.

In zwei blutigen Kriegen hat Moskau versucht, den Widerstand der Separatisten zu brechen. Im ersten Feldzug von Dezember 1994 bis 1996 kamen bis zu 100.000 Menschen ums Leben. Als Tschetschenen 1999 in die Nachbarrepublik Dagestan einfielen und Wohnblocks in Moskau in die Luft flogen, setzte der damalige Ministerpräsident Wladimir Putin erneut die Armee in Marsch. Nach der militärischen Niederlage im Frühjahr 2000 setzten die Rebellen ihren Kampf als Guerillakrieg fort. Der Bogen der Instabilität spannt sich mittlerweile von der am stärksten islamisch geprägten Teilrepublik Dagestan über Tschetschenien, Inguschetien, Nord-Ossetien bis nach Kabardino-Balkarien.

Die wechselvolle und von Gewalt gegen die Fremdherrschaft geprägte Geschichte des Kaukasus begann bereits 1559, als Zar Iwan IV., "der Schreckliche", in Tarki am Kaspischen Meer eine Festung bauen ließ und dort später ein Kosakenheer stationierte. Erst 1859 konnte das russische Imperium Kaukasien nach 60-jährigen Kämpfen als Kolonie unterwerfen. Legendärer Anführer des Widerstands, an dem die Tschetschenen maßgeblich beteiligt waren, war der Dagestaner Imam Schamil.

Die in den Wirren der russischen Revolution von 1917 gewonnene Unabhängigkeit war nur von kurzer Dauer. Der Kaukasus blieb auch zu Sowjetzeiten von Moskau abhängig. Unter der Diktatur Josef Stalins (1922-53) hatten auch die Tschetschenen sehr zu leiden. Wegen angeblicher Kollaboration mit den Deutschen wurden schätzungsweise eine halbe Million Tschetschenen, aber auch zehntausende Inguschen 1944 nach Zentralasien deportiert. Erst in den 1950er Jahren wurden sie rehabilitiert und durften in ihre Heimat zurückkehren. Während die Südkaukasier - Georgier, Aserbaidschaner und Armenier - 1991 die lang ersehnte Unabhängigkeit erhielten, verblieben die nördlichen Völker bei Russland. (APA/dpa)

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