Gehaltserhöhung in deutschen Chefetagen

21. September 2004, 14:15
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Managervergütungen insgesamt aber langsamer gestiegen als Gewinne - Aktionärsschützer kritisieren mangelnde Transparenz

Frankfurt - Laut einer am Donnerstag vorgelegten aktuellen Studie der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sind die Gehälter der deutschen Top-Manager im Durchschnitt moderat gestiegen. Insgesamt zeigt sich jedoch, dass die Gehälter der Vorstände weniger stark gestiegen sind als die Gewinne ihrer Unternehmen.

Gehaltssprung bei SAP

So hat sich die Chefetage des Software-Konzerns SAP über einen satten Gehaltssprung von fast 150 Prozent im vergangen Jahr freuen können. Die Vorstände der Deutschen Bank strichen immerhin rund 80 Prozent mehr ein und liegen damit an zweiter Stelle des Studien-Rankings.

Das größte Minus mussten die Vorstände der Lufthansa hinnehmen. Auf Grund der schlechten Zahlen fielen die Überweisungen an die Vorstände durchschnittlich um 45 Prozent niedriger aus. Ebenfalls deutlich geringer fiel das Salär der Commerzbank-Vorstände aus, deren Gehalt nach einem Ergebniseinbruch um rund 23 Prozent sank.

Mehr Geld trotz schlechter Zahlen

Es gibt aber auch Manager, die trotz schlechter Unternehmensergebnisse deutlich mehr Geld nach Hause bringen. Als schwarze Schafe in dieser Hinsicht outete die Aktionärsvereinigung die Münchener Rück und REW. Bei dem Rückversicherer brach das Ergebnis pro Aktie von 1,54 Euro im Jahr 2002 auf minus 2,25 Euro im Jahr 2003 ein. Die durchschnittliche Vergütung pro Vorstand stieg im gleichen Zeitraum um knapp zwölf Prozent. Bei RWE sank der Gewinn von 2,40 Euro auf 1,69 Euro pro Aktie, die Vorstände strichen aber knapp 17 Prozent mehr ein.

"Steigende Gehälter bei sinkenden Gewinnen oder gar Verlusten darf es nicht geben. Leider hat sich diese Erkenntnis noch nicht in allen Vorstandsetagen durchgesetzt", kritisierte Christiane Hölz vom DSW, die die Studie leitete, vor Journalisten in Frankfurt.

Top-Verdiener bei der Deutschen Bank

Am besten haben im vergangenen Jahr die Vorstände der Deutschen Bank verdient, die den Angaben zufolge auf eine durchschnittliche Vergütung von rund 3,7 Mio. Euro kamen. Auf den weiteren Rängen folgen DaimlerChrysler (3,0 Mio. Euro), E.ON (2,8 Mio. Euro), SAP (2,2 Mio. Euro), Siemens (2,1 Mio. Euro), Schering (1,9 Mio. Euro), RWE (1,7 Mio. Euro), Metro (1,6 Mio. Euro), Deutsche Telekom (1,6 Mio. Euro) und Allianz (1,6 Mio. Euro).

Nicht in der Studie berücksichtigt sind Pensions- und Aktienoptionsprogramme, die noch einmal die eine oder andere Million zusätzlich in die Taschen der Top-Manager spülen. Der bestbezahlte Vorstandschef war 2003 laut DSW-Liste Josef Ackermann von der Deutschen Bank mit 7,7 Mio. Euro vor Jürgen Schrempp von DaimlerChrysler mit 5,2 Mio. Euro.

Geheimniskrämerei vielerorts

Die Studie beruht zu einem Teil auf Schätzungen, da es bei der Transparenz der Vorstandsgehälter in vielen Unternehmen - den immer lauter werdenden Forderungen von Seiten der Politik und der Aktionärsschütze zum Trotz - noch immer viel Geheimniskrämerei gibt.

"Transparenzvorreiter" bei den im Deutschen Aktienindex gelisteten Unternehmen sind nach Worten Hölzs Altana, Bayer, Deutsche Bank, Deutsche Börse, SAP und Thyssen Krupp. Mit der Deutschen Post, Deutscher Telekom und RWE haben gerade einmal drei weitere Gesellschaften ihre Berichterstattung über das Geschäftsjahr 2003 der Empfehlung des Deutschen Corporate Governance Kodex angepasst. Schering weise zumindest das Gehalt des Vorstandsvorsitzenden individuell aus. Die Commerzbank macht dies mittlerweile ebenfalls. "Die restlichen 19 belassen es bei ihrer Berichterstattung nach wie vor bei dem Ausweis einer Gesamtsumme", kritisierte die Aktionärsschützerin.

Die Vorstandsgehälter der DAX-Unternehmen

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz hat in einer Rangliste die Vorstandsgehälter aller 30 DAX-Unternehmen zusammengestellt. Darin sind feste und variable Gehälter für 2003, nicht aber der Wert von Aktienoptionen enthalten. Die Optionen können allerdings zusätzlich beträchtliche Summen ausmachen. Die Vereinigung beruft sich auf Angaben der Unternehmen sowie eigene Schätzungen.

normales Vorstands- Vorstands- vorsitzender mitglied 1. Deutsche Bank 3,726 7,7 2. DaimlerChrysler 2,985 5,2 3. E.ON 2,800 4,9 4. SAP 2,182 3,4 5. Siemens 2,051 3,6 6. Schering 1,876 2,2 7. RWE 1,670 2,5 8. Metro 1,621 2,8 9. Deutsche Telekom 1,609 2,6 10. Allianz 1,594 2,8 11. BMW 1,585 2,8 12. VW 1,534 2,7 13. Henkel 1,401 2,2 14. BASF 1,258 2,2 15. Linde 1,155 2,3 (max.) 16. Deutsche Börse 1,155 2,2 17. Münchener Rück 1,100 1,9 18. Deutsche Post 1,098 1,7 19. TUI 1,089 1,9 20. Infineon 1,078 1,9 21. Altana 0,994 1,7 22. Continental 0,973 1,7 23. Adidas-Salomon 0,943 1,65 24. Commerzbank 0,915 1,42 25. Bayer 0,911 1,6 26. Hypo-Vereinsbank 0,900 1,4 27. ThyssenKrupp 0,887 1,4 28. MAN 0,630 0,9 29. FMC 0,448 0,8 30. Lufthansa 0,433 0,8

Durchschnitt: 1,420 2,43

(Angaben in Millionen Euro)

(Quelle: Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, Studie zur Vorstandsvergütung) (APA/AP/dpa)

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