Nanowissenschafter im Deutschen Museum

8. September 2004, 18:59
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Wolfgang Heckl wird neuer Generaldirektor in München

München - Sammeln, Ausstellen und Wissenschaft - so versteht Wolfgang Heckl seine Arbeit als neuer Generaldirektor des Deutschen Museums in München. Mit diesem Posten habe er seine Bestimmung gefunden, zitierte der 46-jährige Physiker bei seiner Vorstellung am Donnerstag seine Frau. Heckl löst am 1. Oktober Wolf Peter Fehlhammer (64) als Chef des größten Technik-Museums der Welt ab, der in den Ruhestand geht.

Heckl, Schüler von Nobelpreisträger Gerd Binnig, hat sich vor allem im Bereich der Nanowissenschaften international einen Namen gemacht. Er ist seit 1993 Professor am Institut für Kristallographie und Angewandte Mineralogie an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Neben seinen Forschungen hat sich Heckl auch immer um eine verständliche Darstellung naturwissenschaftlicher Themen in der Öffentlichkeit bemüht. Der Stifterverband für die Wissenschaft hat ihm dafür 2002 den angesehenen Communicator-Preis verliehen.

"Ein begnadetes Übersetzertalent"

"Heckl ist ein begnadetes Übersetzertalent", lobte Wolfgang Herrmann, Vorsitzender des Verwaltungsrates, den neuen Museums-Chef. Gerade für eine weitere erfolgreiche Arbeit des Museums sei es wichtig, immer komplexere Zusammenhänge begreifbar zu machen. "Er muss die Tür öffnen und natürlich auch Geld besorgen, von dem wir viel zu wenig haben", sagte der Verwaltungschef und Präsident der Technischen Universität München.

Gesamtetat

Der Gesamtetat des Museums beläuft sich in diesem Jahr auf gut 33 Millionen Euro, 85 Prozent davon kommen von Bayern, der Rest vom Bund und der Stadt München. "Viel zu wenig", befindet Herrmann. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu einem "Museum im Museum" werden, weil für Ausstellungen das Geld fehlt." Von einem solchen Museum könne keine Begeisterung mehr ausgehen, sagte Herrmann.

Der für zunächst fünf Jahre berufene Heckl sieht in seinem neuen Posten eine Lebensaufgabe. "Mein Ziel ist es, 2025 einen Umzug mit den Exponaten durch die Stadt zu machen, so wie es vor 100 Jahren der Museumsgründer Oskar von Miller gemacht hat." Eine Kontinuität sei jetzt schon gegeben, sagte Heckl. Schon sein Großvater sei mit seiner Frau 1920 in das Deutsche Museum gegangen. Auch er habe sich immer für das Museum begeistern können. "Ich bin jemand, der zuhören kann, und das werde ich die ersten drei Monate machen", sagte er.

Hintergrund

Das jährlich von mehr als eine Million Menschen besuchte Museum gilt mit seinen 20.000 Exponaten als Mekka für Naturwissenschaft und Technik. Es zählt zu den bedeutendsten Einrichtungen seiner Art. Für viele der heute großen Technik-Museen in der Welt war das Deutsche Museum Vorbild, sagte der scheidende Museumschef Fehlhammer. "Wissenschaftliches Denken dem allgemeinen Publikum präsent zu machen", sei die Leitlinie des Museums, diese Fähigkeit besitze Heckl, würdigte er seinen Nachfolger. (APA/dpa)

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