Chirurgische Probleme in der Medizin weitgehend gelöst

2. September 2004, 14:47
15 Postings

Die Hauptprobleme bei Transplantationen sind die Verfügbarkeit von Spenderorganen und Abstoßungsreaktionen

Wien - Ein medizinisches Fachgebiet als Erfolgsstory: die Transplantationsmedizin. Sie steht 5. September beim XX. internationalen Kongress der Transplantation Society im Austria Center Vienna auf dem Experten-Prüfstand. Der Themenkreis reicht von der Organisation des Organspendewesens über chirurgische Techniken und die Immunologie bis hin zu Zell- und Stammzelltransplantation sowie Xenotransplantation und die möglichen Anwendungen der Gentherapie in der Transplantationsmedizin, erklärten die österreichischen Organisatoren am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien aus Anlass der bevorstehenden Konferenz.

"Die chirurgischen Probleme in der Transplantationsmedizin sind weitgehend als gelöst zu betrachten. Heute geht es wissenschaftlich bei der Verpflanzung von Organen zunehmend um die Herbeiführung einer immunologischen Toleranz des Empfängers gegenüber dem Spenderorgan, um die Verhinderung des Versagens eines Organs auf Grund chronischer Abstoßungsreaktionen - und um die Überwindung des Mangels an Spenderorganen", sagte Univ.-Prof. Dr. Raimund Margreiter, österreichischer Transplantationspionier von der Universitätsklinik Innsbruck und Präsident des internationalen Kongresses.

Zahlen

Der Co-Präsident des Kongresses in Wien, der Vorstand der Chirurgischen Universitätsklinik der Medizinuniversität Wien, Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Mühlbacher: "Heute liegen die Ein-Jahres-Ergebnisse der Nierentransplantation (Funktionieren des Organs, Anm.) zwischen 85 und 90 Prozent. Die Ergebnisse der Herz- und Lebertransplantation liegen bei 85 Prozent, die Lungentransplantation bewegt sich auf 80 Prozent Ein-Jahres-Funktion zu."

Hauptprobleme

Doch es gibt bei allen Fortschritten weiterhin Probleme. Hier sind vor allem zwei Hauptthemen zu nennen: Langzeitversagen von transplantierten Organen und die weltweit zunehmende Knappheit an Spenderorganen mit immer länger werdenden Wartelisten für Schwerstkranke.

Aufkommen

Margreiter fordert deshalb zur Nutzung aller vorhandenen Möglichkeiten auf, um das Aufkommen an Spenderorganen zu erhöhen: "Wenn eine Gesellschaft die Organtransplantation als wichtige medizinische Therapie anerkennt, dann hat sie die Verpflichtung, auch für ein optimales Organspendewesen zu sorgen."

Deshalb ist es auch selbstverständlich, dass bei dem Kongress alle Möglichkeiten diskutiert werden, um die Knappheit an Spenderorganen zu lindern: Lebendspende von Organen (Niere, Leberteile), Zelltransplantation (z.B. Insulin-produzierende Inselzell-Transplantation), Xenotransplantation.

Abstoßungsreaktion

Der zweite große Komplex, der bei dem Kongress der Transplantation Society in Wien diskutiert wird, ist die Beherrschung der Abstoßungsreaktion (akut und chronisch). Dazu Mühlbacher: "Noch immer gibt es eine Halbwertszeit der Funktionstüchtigkeit von Spendernieren von etwa zehn Jahren. Die Hälfte aller Lebertransplantate und der Spenderherzen versagt binnen 15 Jahren."

Obwohl erst die modernen Medikamente zur Beherrschung der Abstoßungsreaktion die Erfolge in der Transplantationsmedizin möglich gemacht haben, sind sie selbst wieder Ursache für Langzeitprobleme (Immunsuppression, Organschädigung etc.). Deshalb wird nach Möglichkeiten gesucht, möglichst ohne diese Medikamente auszukommen.

"Gemischter Chimärismus"

Hier sollen in Wien auch die neuesten Fortschritte bei der Induktion von immunologischer Toleranz zwischen Spender und Empfänger diskutiert werden. Im Tierversuch gelingt es bereits, durch gleichzeitige Übertragung von Spenderorgan und Knochenmark-Stammzellen des Spenders auf den Empfänger eine solche Toleranz herbeizuführen. Dieses Konzept des "gemischten Chimärismus" ("mixed chimerism") wird von mehreren Forschungsgruppen weltweit untersucht. Auch wenn man mit solchen Strategien eine Dosis-Reduktion bei den Immunsuppressiva erreichen könnte, wäre das ein Erfolg. (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nach erfolgreicher Herztransplantation im Jahr 2000 spendete Robert Moss, 61, (aus Yorkshire, Großbritannien) sein altes Herz dem Londoner Wissenschaftsmuseum.

Share if you care.