Kinder neigen in Extremsituationen zu Panikattacken

5. September 2004, 14:57
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Mediziner: Fehlende Wasserzufuhr für Geiseln kann lebensgefährlich sein

Hamburg - Kinder sind für Geiselnehmer wesentlich schwieriger unter Kontrolle zu halten als Erwachsene. Als Opfer einer Geiselnahme - wie in der Schule im russischen Beslan - könnten Kinder die Situation nicht verstehen und "neigen zu Panikattacken", sagte der Düsseldorfer Kinder- und Jugendarzt Hermann-Josef Kahl der Nachrichtenagentur dpa. "Kinder sind intellektuell noch nicht in der Lage, auf eine solche Situation so zu reagieren wie ein Erwachsener", erklärte der Arzt von der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin.

Für die Gesundheit der Kinder sei der Zugang zu Flüssigkeit elementar wichtig. "Wenn Kinder im Grundschulalter 24 bis 48 Stunden ohne zu trinken ausharren müssen, ist das lebensgefährlich", sagte der Mediziner. "Flüssigkeit ist das A und O." Wie lange Kinder ohne zu essen überlebten, hänge hingegen stark von ihrem Ernährungszustand ab. Ein paar Tage ohne Kalorienzufuhr seien allerdings möglich.

Besonders für chronisch kranke Kinder könne eine Geiselnahme wie in Russland allein durch ihre Begleitumstände lebensbedrohlich sein. "Wenn Diabetiker, Kinder mit Herzproblemen oder Epileptiker keinen Zugang zu ihren Medikamenten haben, ist das lebensgefährlich", sagte Kahl. "Das kann katastrophale Folgen haben." (APA/dpa)

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