FARE bei EURO 2004 erfolgreich

17. September 2004, 13:46
posten

"Fanbotschaften", Streetkick-Turniere und Flugblätter gegen Rassismus trugen zum Gelingen bei - "Fanbotschaft" auch gegen England im Einsatz

Wien - Die 1999 in Wien gegründete Fan-Initiative FARE (Football Against Racism in Europe) hat die erste große Bewährungsprobe bestanden, und zwar bei der Fußball-Europameisterschaft 2004 in Portugal. Wie Projektkoordinator Kurt Wachter am Donnerstag in einer Pressekonferenz berichtete, hat sich vor allem die Betreuung der Fußball-Anhänger vor dem Match ausgezahlt. Die Erfahrungen aus Portugal sollen nicht nur bei der EM 2008 in Österreich wichtige Dienste leisten, sondern auch bei "normalen" Länderspielen - wie etwa kommenden Samstag beim WM-Qualifikations-Hit in Wien gegen England.

Fans betreuen Fans

Aus England stammt auch die Idee, dass Fans selbst die Betreuung von Schlachtenbummlern übernehmen. "Kernstück dabei sind die Fanbotschaften", betonte Wachter. Diese sind meist in Kleinbussen untergebracht und dienen als Anlaufstelle für Fragen aller Art. In Portugal hat es solche mobilen Botschaften für sieben Teilnehmer-Länder gegeben. Finanziell unterstützt wurde FARE dabei von der UEFA, die 600.000 Schweizer Franken (389.965 Euro) für das Programm zur Verfügung gestellt hat.

Die Street-Worker der verschiedenen Botschaften kamen zum Teil aus den diversen Fan-Organisationen. Den Fußballanhängern wurden nicht nur Fragen in Sachen Unterkunft oder Tickets beantwortet, sondern auch ein Programm geboten. Als Renner haben sich demnach "Streetkick"-Turniere zwischen Fangruppen erwiesen. So gab es in Lissabon bzw. Porto friedlich Wettkämpfe zwischen englischen und kroatischen sowie zwischen deutschen und niederländischen Anhängern.

Erfolg nicht immer garantiert

Neben der Gewalt- und Konfliktprävention arbeitete FARE auch präventiv gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Mitarbeiter verteilten unter anderem eine Zeitung mit anti-rassistischen Statements aller Teamkapitäne. Der Erfolg war nicht immer garantiert, wie die Verantwortlichen berichteten: Eine Gruppe italienischer Fans zeigte in Portugal den Gruß der Faschisten, Deutsche skandierten beim Spiel gegen Holland homophobe Parolen ("Schwule, schwule Holländer") oder ließen "Dschungellaute" erklingen, wenn der dunkelhäutige Spieler Edgar Davids am Ball war.

"Jene, die unangenehm auffallen, sind oft nur eine kleine Gruppe. Auch die englischen Fans sind nicht alle Hooligans", versicherte Kevin Miles, der Sprecher der englischen Football Supporters Federation (FSF). Er wird am Samstag selbst gemeinsam mit Kollegen Fans betreuen. Die Fanbotschaft für die britischen Schlachtenbummler wird am Schwedenplatz eingerichtet. Probleme erwartet Miles nicht: "Die Fans wollen Spaß haben beim Fußball." Zuschauer, die als gewalttätig bekannt sind, dürfen demnach nicht mehr in die Stadien - und schon gar nicht zu Auslandsspielen reisen.

Kinder und Jugendliche ansprechen

Wiens Sportstadträtin Grete Laska (S) betonte, dass vor allem Kinder und Jugendliche Ansprechpartner vorbeugender Programme sein müssten: "Im Sport steht das Messen von Leistungen im Vordergrund, aber man kann auch gegenseitige Achtung lernen. Das wollen wir vermitteln." 2008 ist zudem eine spezielle Maßnahme für Schlachtenbummler ohne Karten geplant: Laut Laska wird es zahlreiche Plätze in der gesamten Stadt geben, wo Fans die Möglichkeit haben, Übertragungen von Spielen mitzuverfolgen. (APA)

Link

FARE

  • Artikelbild
    logo:fare
Share if you care.