Mehr als 300.000 Zuckerkranke in Österreich

2. September 2004, 18:53
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Erster Bericht zu Diabetes präsentiert - mit Grafik

Wien - Die sozialen österreichischen Krankenkassen wollen die Häufigkeit der lebensbedrohlichen Diabetes-Spätfolgen bis zum Jahr 2020 um ein Drittel reduzieren. Das ist ein Plan, den der Generaldirektor des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Dr. Josef Probst, am Donnerstag anlässlich einer Pressekonferenz mit der Vorstellung des ersten österreichischen Diabetes-Berichtes in Wien präsentierte. Bei derzeit in Österreich mehr als 300.000 Zuckerkranken gehen die Experten davon aus, dass sich 40 bis 60 Prozent der Erkrankungen (Typ-2-Diabetes) überhaupt verhindern ließen.

Probst: "Die Sozialversicherung regt an, dass österreichweit gesundheitspolitische Ziele definiert werden. Der Häufigkeit der maßgeblichen Diabetesfolgen wie Erblindung, Nierenversagen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen soll bis zum Jahr 2020 um ein Drittel reduziert werden. Das ist das Ziel für die Sozialversicherung."

"Disease Management"-Pläne

Therapie- und Präventionsempfehlungen würden ebenso formuliert werden wie ganze "Disease Management"-Pläne für die häufigsten Erkrankungen. Hinzu käme die Neuordnung der Vorsorgeuntersuchungen, betonte Probst. Allerdings, in den vergangenen Jahren haben die Krankenkassen mehrere innovative Diabetes-Medikamente mit zum Teil völlig neuen Wirkungsmechanismen nur sehr restriktiv (Chefarztpflicht etc.) bewilligt. Österreich hat sich schon vor mehr als zehn Jahren in der internationalen "Vincent-Vereinbarung" zur Erfüllung ehrgeiziger Ziele in der Betreuung der Diabetiker verpflichtet.

Fakten

Einige Fakten aus dem Diabetes-Bericht laut der Wiener Sozialmedizinerin Univ.-Prof. Dr. Anita Rieder: "Es gibt in Österreich zwischen 300.000 und 315.000 Diabetiker. 270.000 werden medikamentös, 30.000 bis 45.000 diätetisch therapiert. Die Dunkelziffer liegt zwischen fünf und 20 Prozent und beträgt 30.000 bis 60.000 Personen."

Vor allem der Typ-2-Diabetes ("Altersdiabetes") ist wegen der Zunahme der Zahl der Fettsüchtigen weiterhin im Ansteigen begriffen. Die Sozialmedizinern: "Ein Body-Mass-Index von mehr als 30 bedeutet in der Altersgruppe der 30- bis 45-Jährigen eine Verdreifachung der Häufigkeit von Typ-2-Diabetes."

Länderverteilung

Besonders oft zuckerkrank sind die Wiener, die Niederösterreicher und die Burgenländer. Die westlichen Bundesländer sowie Kärnten rangieren in positiver Weise weit dahinter. Männer aus Städten und Frauen aus ländlichen Gebieten sind überrepräsentiert. Anita Rieder: "Ein Drittel der Patienten, die mit einem Herzinfarkt oder Angina Pectoris etc. ins Spital kommen sind auch Diabetiker."

Dabei könnte der Großteil der Typ-2-Diabetes-Fälle überhaupt verhindert werden. Die Sozialmedizinerin: "Wir haben hier ein präventives Potenzial von 40 bis 60 Prozent." Gewichtsreduktion, Blutdruck- und Cholesterinkontrolle sowie Ausdauersport hätten diesen Effekt.

Alarm ... Werte

Der Präsident der Österreichische Diabetes Gesellschaft, Univ-Prof. Dr. Michael Roden, listete jene Werte auf, bei denen in Sachen Früherkennung und Prävention Alarm geschlagen werden sollte:

  • Frauen mit einem Taillen-Umfang von mehr als 88 Zentimeter, Männer mit mehr als 102 Zentimetern Bauchumfang.

  • Triglyzerid-Fettwerte im Blut von mehr als 150 Milligramm pro Deziliter Blut.

  • "Gutes" HDL-Cholesterin von weniger als 40 (Frauen) bzw. 50 Milligramm (Männer) pro Deziliter Blut.

  • Blutdruckwerte über 130/85 mmHg (systolisch/diastolisch)

  • Ein Blutzuckerspiegel von mehr als 100 Milligramm pro Deziliter Blut. (APA)
    • Bild nicht mehr verfügbar

      Diabetes - Wenn die Bauchspeicheldrüse streikt (Grafik)

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