"Die Jugendlichen wollen nichts zerstören"

15. Dezember 2004, 18:23
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Die Stadt Villach setzt eine Ergreiferprämie für jugendliche Graffiti-Sprayer aus - Jugendorganisationen protestieren gegen die "Kopfgeldjagd"

5.000 Euro sind eine Menge Geld. Soviel erhält man für Hinweise, die zur Ausforschung der "Graffiti-Vandalen" führen. Seit Wochen mehren sich die Graffitis an Hausmauern, Wände und Gassen in der Villacher Innenstadt. Betroffen sind auch zahlreiche historische Gebäude und Straßenzüge, wie die Bamberggasse oder die Rathausgasse.

Verzierung oder Vandalismus?

Da diese Vandalenakte inzwischen bedenkliche Ausmaße angenommen haben, hat Bürgermeister Helmut Manzenreiter (S) für Hinweise, die zur Ergreifung der Graffiti-Vandalen führen, die Prämie ausgesetzt. Nach Angaben der Polizei richteten die Täter bis dato etwa 25.000 Euro Schaden an. Einer der Sprayer "verziert" Hausmauern und Tore mit der Aufschrift "Haider raus".

Insgesamt 38 Mal wurde in der Innenstadt der Schriftzug "riot life" auf Hausmauern angebracht. Ob es sich dabei immer um den gleichen Sprayer handelt, steht nicht fest. Verwendet wurde meist schwarzer Sprühlack. Dieser dringt tief ins Mauerwerk ein und ist schwer zu entfernen. Ein weiteres Sujet, das bis dato 15 Mal aufgesprüht wurde, ist der Slogan "Le Chimp Haider raus". Politische Hintergründe der Schmieraktionen werden von der Villacher Polizei "eher ausgeschlossen". Die Beamten gehen davon aus, dass es sich um Jugendtorheiten handelt.

"Kopfgeldprämien"

Die Bezeichnung der Graffitis als "Vandalenakte" sagt vielen Käntner Jugendlichen aber gar nicht zu. Dem Villacher Bürgermeister Helmut Manzenreiter falle, so Jugendstadtrat Christian Scheider, zu den Graffiti-Sprühern tatsächlich nichts besseres ein, als Kopfgeldprämien auszusetzen. Das würde die Jagd nach den Jugendlichen offensichtlich attraktiver zu gestalten, und Leute dazu motivieren, sich auf die Lauer zu legen. "Vielleicht wäre es ratsam, wenn Manzenreiter nach Klagenfurt schauen würde", rät Scheider.

Klagenfurt machts anders

Der Grund für diese Empfehlung: Dort werden für Graffiti-Sprüher seitens der Stadt alternative Angebote in Form von Freiräumen geschaffen und kreative Projekte wie die "Graffiti-Days" umgesetzt. Es werden Wände zum Besprühen zur Verfügung gestellt und Firmen gesucht, die sich ihre Gebäude mit Graffitis verschönern lassen wollen.

Mit großem Erfolg, wie Beate Schreier vom Jugendforum Mozarthof in Klagenfurt berichtet. "Die drei Wände in der Stadt werden von den Jugendlichen eifrig genützt", berichtet Schreier. Vor allem aber hätten die illegalen Graffitis seit der Einführung der legalen Möglichkeiten abgenommen.

Kunst statt Kriminalisierung

"Bei Veranstaltungen wie den Graffiti-Days haben wir Kontakt zu jungen Menschen aus ganz Österreich", erzählt sie. Und eine Erfahrung will Schreier besonders hervorheben: "Die Jugendlichen wollen nichts zerstören, für sie ist das Kunst". Eine Kriminalisierung, wie sie derzeit in Villach passiere, hält sie nicht für zielführend. Auch Jugendstadtrat Scheider betont: "Manzenreiter ist ins Stammbuch zu schreiben, dass Jugendliche nicht kriminalisiert, sondern mit ihnen gemeinsam alternative Angebote entwickelt werden sollten." (az)

  • Graffiti in der Rosentalerstraße, Klagenfurt
    bild: www.spraycity.net

    Graffiti in der Rosentalerstraße, Klagenfurt

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