Studie: Ursache für Legasthenie könnte kulturbedingt variieren

6. September 2004, 09:00
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Rückschluss auf Auslösung unterschiedlicher mentaler Prozesse

Hongkong - Wissenschaftler vermuten basierend auf einer neuen Studie, dass die Ursachen für Legasthenie von Kultur zu Kultur variieren. Die aktuelle Studie kommt zu dem Schluss, dass chinesische Kinder vergleichbare Schwierigkeiten beim Lesen haben, diese werden aber auf andere Gehirnregionen zurückgeführt als bei westlichen Kindern. Wissenschaftler haben schon seit längerem die Theorie in Zweifel gezogen, dass es eine einzige Ursache für Legasthenie gibt. Die neuen Erkenntnisse wurden in dem Journal Nature publiziert.

Viele Forscher glauben, dass die Ursache für Dyslexie, wie Legasthenie auch genannt wird, in der so genannten temporoparietalen Region des Gehirns liegt. Aber die meisten dieser Studien haben buchstabenbasierte, alphabetische Sprachen wie Englisch untersucht. Die neue Untersuchung hat sich auf chinesische Kinder konzentriert, weil ihre Sprache nicht auf Buchstaben basiert, sondern auf Symbolen. Die Forscher verwendeten funktionelle Magnetresonanzbildgebung (fMRI) um die Gehirnaktivität von acht durch Legasthenie beeinträchtigten und acht normalen Kindern zu beobachten, die verschiedene Sprachtests ausführten. Diese Studie ergab, dass das Problem in einer anderen Region des Gehirns liegt, dem linken mittleren Frontal Gyrus (LMFG).

Rückschluss

Die Forscher schließen daraus, dass diese Region betroffen ist, weil Chinesischlesen andere mentale Prozesse auslöst als das Lesen einer alphabetischen Sprache. Bei einer alphabetischen Sprache erfolgt das Lesen sequenziell - die Buchstaben werden erkannt und dann in verschiedene Laute aufgelöst, denen eine bestimmte Bedeutung zugeführt wird. Bei Chinesisch gehen die Prozesse parallel voran, wobei das Gehirn die Bedeutung eines Piktogramms auflösen muss und gleichzeitig den Laut erörtert. Die Wissenschaftler gehen nun davon aus, dass die Ursachen für Legasthenie abhängig von Kultur und Sprache unterschiedlich sind, weshalb sie auch den Einsatz verschiedener Behandlungsmethoden befürworten.

Außerdem scheinen auch die von Kultur zu Kultur unterschiedlichen Unterrichtsmethoden eine Rolle zu spielen. Beispielsweise werden chinesische Kinder häufig dazu angehalten Daten auswendig zu lernen. Ian Smythe, ein internationaler Legasthenie-Experte, sagte: "Die Manifestation der Dyslexie in jedem Individuum hängt nicht nur von individuellen kognitiven Unterschieden ab, sondern auch von der Sprache und der Kultur des Individuums." (pte)

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Nature
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