Schwerste Unruhen in Kathmandu

4. September 2004, 16:31
3 Postings

Nach Geiselermordungen im Irak richtet sich die Wut gegen Muslime - Ein Toter und bis zu hundert Verletzte in nepalesischer Hauptstadt

Kathmandu - Nach dem Mord an zwölf nepalesischen Geiseln im Irak ist es in Kathmandu zu den schwersten Unruhen seit Einführung der Demokratie in Nepal im Jahr 1990 gekommen. Bei Straßenschlachten zwischen überwiegend jugendlichen Demonstranten und der Polizei in der nepalesischen Hauptstadt wurden am Mittwoch nach Angaben des Innenministeriums ein Protestierender getötet und drei weitere durch Schusswunden verletzt. Aus Krankenhäusern hieß es, bis zu 100 weitere Menschen seien meist leicht verletzt worden. Über Kathmandu wurde erstmals seit Juni 2001 eine Ausgangssperre verhängt.

Ausländische Touristen wurden angewiesen, in den Hotels zu bleiben. Randalierer hatten zuvor unter anderem eine Moschee in Brand gesetzt. Demonstranten skandierten Parolen gegen den Irak, gegen Muslime und gegen die nepalesische Regierung, der sie vorwarfen, sich nicht ausreichend um die Freilassung der Geiseln bemüht zu haben. Premierminister Sher Bahadur Deuba rief seine Landsleute in einer Fernsehansprache zur Ruhe auf. Für Donnerstag rief die Regierung einen Trauertag zum Gedenken an die ermordeten Geiseln aus.

Demonstranten in dem mehrheitlich hinduistisch-buddhistischen Land legten auch in einem muslimischen Gemeindezentrum und im Büro von Katar Airways Feuer. Die Fluggesellschaft setzte den Flugverkehr nach Kathmandu dem Vernehmen nach aus. Zwei private Fernsehsender mussten vorübergehend ihr Programm einstellen, nachdem ein Mob die Sendeanstalten umzingelt hatte. Randalierer plünderten und zerstörten außerdem die Büros von zahlreichen Arbeitsvermittlungs-Agenturen, darunter auch jene, die die zwölf Nepalesen über Jordanien in den Irak vermittelt hatte.

Nach einem Krisentreffen des Kabinetts forderte die Regierung die Bestrafung der Täter und kündigte an, strikt gegen Rekrutierer von Arbeitern für den Irak vorzugehen. Die Regierung hat Nepalesen die Arbeit im Irak verboten, viele reisen aber über Nachbarländer ein. Die muslimische Extremistengruppe Ansar al-Sunnah hatte am Dienstag angegeben, die zwölf Nepalesen nach rund eineinhalb Wochen Geiselhaft ermordet zu haben. Die "Kathmandu Post" berichtete unter Berufung auf den nepalesischen Botschafter in Katar, Shayamanda Suman, die Gruppe habe vor der Bluttat keine Forderungen gestellt. (APA/dpa)

Share if you care.