Bozener Kaiserschütze soll "würdevoll" untersucht werden

8. September 2004, 13:34
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Anschließend Beisetzung der Gletscherleiche

Bozen - Im Streit um die Untersuchungen der aus dem Ersten Weltkrieg stammenden Gletscherleiche eines Kaiserschützen in Bozen haben die Verantwortlichen nun "würdevolle Untersuchungen" zugesichert. In spätestens drei Monaten soll der im Ersten Weltkrieg gefallene Soldat dann bei seinen beiden ebenfalls im Eis entdeckten Kameraden auf einem Soldatenfriedhof im Trentino beigesetzt werden, hieß es am Donnerstag.

Vereine des so genannten "Traditionsforums" hatten zuletzt in Innsbruck kritisiert, dass die Überführung der im Trentiner Ortler-Gebiet gefundenen Leiche nach Bozen nicht den internationalen Vereinbarungen im Umgang mit Gefallenen entspreche und das Außenministerium eingeschaltet. Das Bozner Archäologiemuseum hingegen erhofft sich Erkenntnisse über die Art und den Grad der Kältekonservierung und der Gefriertrocknung, die der Aufbewahrung der über 5.000 Jahre alten Gletschermumie Ötzi zu Gute kommen sollen.

Untersuchungen

Der Verantwortliche für die Konservierung des Eismannes am Archäologiemuseum, der Bozner Pathologe Eduard Egarter Vigl, betonte, dass alle zuständigen Stellen im Trentino und in Rom kontaktiert worden seien. Festgestellt werden solle außerdem die Todesursache, die Identität und das Lebensalter sowie der Konservierungszustand der Leichengewebe hinsichtlich Wassergehalt, Enzymaktivität und Erhaltungszustand des Erbgutes.

Für die Erreichung dieser wissenschaftlichen Zielsetzungen sei laut Vigl kein so genannter "invasiver" Untersuchungszugang notwendig. "Das bedeutet, es war nie geplant, die Leiche einer Autopsie zu unterziehen, sie zu verstümmeln oder Körperteile zu entfernen. Die Untersuchungen beschränken sich auf die Durchführung von Röntgenaufnahmen, auf Gewinnung von Gewebeproben in der Dimension von wenigen Millimetern mittels Stanzen ohne Eröffnung von Körperhöhlen und verständlicherweise unter Aussparung des Gesichtes", erklärte der Pathologe.

Verpflichtung und Berufsethos

Es bestehe eine schriftliche Verpflichtung seitens des Untersuchungsleiters, die Leiche in unversehrtem Zustand innerhalb einer Frist von drei Monaten an die Gemeinde Pejo (Trentino) zu überstellen, damit sie beerdigt werden kann. Eine Anfrage an eventuelle Hinterbliebene des Soldaten hinsichtlich einer Untersuchungsgenehmigung habe mangels Identifizierung verständlicherweise nicht erfolgen können. Ein pietätvoller Umgang mit der Leiche des Soldaten während der Untersuchungen sei "auf Grund des Berufsethos aller beteiligten Fachleute und durch den Untersuchungsrahmen garantiert". (APA)

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