Alitalia braucht mindestens zwei Milliarden Euro für Neubeginn

5. September 2004, 18:00
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Auch mit Überbrückungskredit hat die Airline nur noch sechs Monate Lebenszeit

Rom - Auch mit dem Überbrückungskredit im Wert von 400 Mio. Euro, für den die Regierung in Rom und Brüssel Grünes Licht gegeben hat, kann Alitalia maximal sechs Monate lang überleben. Dies geht aus dem jüngsten Bericht des Alitalia-Geschäftsführers, Giancarlo Cimoli, hervor. Spätestens im März bräuchte die vom Konkurs bedrohte Airline weitere 2 Mrd. Euro, hieß es nach Angaben italienischer Medien vom Donnerstag. 1,2 Mrd. Euro seien für neue Investitionen notwendig, der Rest würde zur Rückzahlung einer fälligen Anleihe dienen, hieß es im Bericht.

Die Regierung Berlusconi beobachtet mit Sorge die Dauerverhandlungen zwischen dem Alitalia-Management und den Gewerkschaften. Arbeitsminister Roberto Maroni betonte, dass die Regierung der Fluggesellschaft keine soziale Maßnahmen für das zu kündigende Personal gewähren werde, solange es zu keinem Abkommen zwischen Gewerkschaften und Spitze der Fluggesellschaft über den Sanierungsplan kommen werde.

Streichung von fast 7.000 Stellen geplant

Die Arbeitnehmerverbände fiebern dem am kommenden Monaten geplanten Treffen mit Cimoli entgegen, bei dem der Geschäftsführer genaue Zahlen über die Personalkürzungen bekannt geben werden. Diese Woche hatten Indiskretionen der Gewerkschaften, nach denen Cimoli die Streichung von fast 7.000 Stellen plane, für Alarm gesorgt.

Von der Durchsetzung des Sanierungskonzepts hängt der Überbrückungskredit ab. Fluggesellschaften dürfen ohne ausreichende Liquidität in Europa nicht starten und landen. Die italienische Regierung ist mit 62 Prozent an Alitalia beteiligt. Dieser Anteil soll laut den Plänen des Kabinetts reduziert werden und private Investoren sollen einsteigen.

Ziel des Geschäftsführers ist es, bis 2008 Personaleinsparungen im Wert von 310 Mio. Euro über die Bühne zu bringen. 230 Mio. Euro sollen dank neuer Arbeitsverträge eingespart werden, die der seit Mai amtierende Alitalia-Chef auszuhandeln hofft. Alitalia müsse sich an den Low Cost-Gesellschaften ein Beispiel nehmen, wolle sie überleben, mahnte Cimoli. Alitalia hatte im vorigen Jahr einen Verlust von 520 Mio. Euro ausgewiesen. (APA)

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