Knapp eine viertel Million Jobsuchende im August

20. September 2004, 16:40
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Plus 2,1 Prozent inklusive Schulungen - Opposition warnt vor hoher Frauenarbeitslosigkeit - mit Infografik

Wien - Knapp eine viertel Million Menschen - exakt 244.766 Personen - waren im August 2004 in Österreich auf Jobsuche oder in einem Fortbildungskurs des AMS. Die Zahl der Arbeitslosen ist damit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,1 Prozent gestiegen. In Schulung waren davon 38.052 Personen, 9,7 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. In der offiziellen Arbeitslosenstatistik sind diese Personen zwar nicht enthalten, selbst ohne sie lag die Zahl der Arbeitslosen mit 206.714 Jobsuchenden immer noch 0,8 Prozent über dem Rekordwert des Vorjahres.

Gleichzeitig ist im August aber auch die Zahl der Beschäftigten um 0,9 Prozent auf exakt 3,277.065 gestiegen. Die Arbeitslosenquote lag damit im August bei 5,9 Prozent, gleich hoch wie im Vorjahr, als die bisherige Rekordmarke für August aus dem Jahr 1998 schon einmal erreicht wurde. Gegenüber dem Vormonat Juli hingegen hat sich die Quote um 0,2 Prozent erhöht.

Tourismus besonders stark betroffen

Gestiegen ist die Zahl der Arbeitslosen - trotz Hochsaison - vor allem im Tourismus, aber auch im Gesundheitswesen. Am Bau ging die Arbeitslosigkeit hingegen zurück. Gestiegen ist die Arbeitslosigkeit außerdem vor allem bei Frauen (mit plus 2,6 Prozent), bei den Männern war die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,8 Prozent rückläufig. Weiter zurückgegangen ist auch die Jugendarbeitslosigkeit (unter 24 Jahren) mit minus 2,2 Prozent und die Arbeitslosigkeit bei älteren Arbeitnehmern über 49 Jahren (minus 9,1 Prozent). Die Zahl der Lehrstellensuchenden ist im August weiter um 9 Prozent gesunken.

Generell entspannt hat sich die Arbeitsmarktsituation in Wien und der Steiermark. In der Steiermark ging die Zahl der Jobsuchenden um 5 Prozent zurück, in Wien gab es mit minus 0,3 Prozent den ersten effektiven Arbeitslosenrückgang seit Jahren. In allen anderen Bundesländern hat die Arbeitslosigkeit zugenommen, besonders stark in Vorarlberg mit plus 8,3 Prozent, in Niederösterreich (plus 4,7 Prozent) und in Tirol (plus 3,3 Prozent).

Besonders stark zugenommen hat im August die Langzeitarbeitslosigkeit. Die Zahl der Jobsuchenden, die Ende August bereits über sechs Monate vorgemerkt waren, hat gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,0 Prozent auf 50.516 zugenommen. Durchschnittlich war die Verweildauer in der Arbeitslosigkeit mit 117 Tagen um rund 11 Tage länger als noch vor einem Jahr, so die jüngsten AMS-Daten.

Unterschiedliche Reaktionen

Gewohnt unterschiedlich die Reaktionen aus Regierung und Opposition. Die heute veröffentlichten Arbeitsmarktdaten für den August seien "ein Beweis dafür, dass die Maßnahmen der Bundesregierung greifen", meinte ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka. Positiv sei vor allem, dass die Zahl der jugendlichen Arbeitslosen und der älteren Arbeitslosen weiter deutlich sinke. Beleg für den Erfolg der Regierungspolitik sei außerdem der EU-Vergleich: Demnach hatte Österreich im Juli mit 4,2 Prozent die niedrigste Arbeitslosenquote in der Union und auch bei der Jugendarbeitslosenquote mit 6,9 Prozent im EU-Vergleich den niedrigsten Wert erreicht.

AK: Keine Entspannung in Sicht

Nach Meinung der Arbeiterkammer (AK) hingegen ist derzeit nach wie vor keine Entspannung am Arbeitsmarkt in Sicht. Schuld an der alarmierenden Zunahme der Arbeitslosigkeit im Gesundheitsbereich und im Fremdenverkehr sei die Saisonnier-, Grenzgänger- und Praktikantenpolitik der Regierung. Außerdem bekomme das AMS von der Regierung zu wenig Geld, um sich wirklich für die Menschen im Haupterwerbsalter kümmern zu können, kritisierte AK-Präsident Herbert Tumpel am Freitag in einer Aussendung. Ebenso ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch: Er fordert am Donnerstag rund 250 Mio. Euro für eine neue Arbeitsmarkt-Qualifikationsoffensive und zusätzlich 1 MRd. Euro für den Infrastrukturausbau.

Die Opposition warnt vor allem vor der zunehmenden Frauenarbeitslosigkeit. Die "deutlich gestiegene Arbeitslosigkeit bei Frauen" sei "das Ergebnis der Kindergeldregelung und des damit verbundenen kürzeren Kündigungsschutzes", meinte SP-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures. (APA)

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