Einmal Portier im Hotel Sacher sein

8. September 2004, 13:24
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Onetwosold bietet Bar und Portierloge zum Ersteigern an

Wodka ist gut in Österreich, bescheinigte der 1986 verstorbene ehemalige russische Außenminister Wjatscheslaw Molotow dem Barkeeper im Hotel Sacher, aber das Wasser sei „zu warm“.

Roter Salon

Er war nur einer der bemerkenswerten Gäste des Sacherschen Restaurants und hatte ebenda statt am Wasserglas an der Fingerschale genippt. An der Bar im Roten Salon lehnten schon Berühmtheiten wie Leonard Bernstein. Andere Gäste, wie Yoko Ono und John Lennon, zelebrierten das anders, veranstalteten im Jahr 1969 ihr „Bed-in“ und empfingen die Journalisten sachertorteschmausend. Solche Anekdoten wären angesichts der Gästeliste des seit 1876 neben internationalen Stammkunden stets Diven und Stars beherbergenden Hotels gar keine Besonderheit, würde nicht die erwähnte „Rote Bar“ nun versteigert.

2,3 Meter Radius

Im Auftrag des Dorotheums gelangt das Bar-Ensemble (Radius circa 2,3 Meter) über Onetwosold in der Zeit vom 14. bis 28. September zur Auktion: inklusive Gläserund Flaschenregalen, Messinghalterungen und des dekorativen baldachinförmigen Durchgangs mit rotem Vorhang. Die Gebote dafür starten ab 8870 Euro. Um das Flair zu komplettieren, gehören zu der Bar-Ausstattung auch ein Sektkübel oder die Messingbuchstaben „Rote Bar“. Derzeit wird die Grande Dame der Wiener Hotels einer Rundumerneuerung unterzogen. Nur wenige wissen, dass das mythische Quartier eigentlich aus einem Puzzle von sechs Wohnhäusern besteht. Deren Gebäudestruktur war ursprünglich gar nicht als Hotel konzipiert. Die einzelnen Häuser haben etwa unterschiedliche Niveaus, sodass sich einzelne Stockwerke nicht immer auf derselben Ebene befinden. Daraus ergeben sich zahlreiche Verbindungsgänge, Treppen und Winkel, die dem Hotel Sacher eben seinen ganz aparten Charme verleihen. Die erste Umbauphase wird mit der Eröffnung am 13. September abgeschlossen sein, der Dachausbau erst im August 2005.

Die Portierloge

Im Zuge der Renovierung trennt man sich aber nicht nur vom Bar-Ensemble, sondern auch vom wohl legendärsten Möbel des Hauses überhaupt: der Portierloge. Sie gelangte durch die Fernsehserie „Hallo, Hotel Sacher, Portier!“ zu Berühmtheit. Die 3,3 Meter lange, L-förmig konzipierte Rezeptionsloge wird ab 11.870 Euro komplett angeboten: samt typischen Accessoires wie Spiegeleinlagen, Messingstangen, direkten und indirekten Beleuchtungen sowie rückseitigen Arbeitsbereichen. Beide Ensembles sind Tischlermaßanfertigungen aus den Achtzigerjahren. Interessierte werden sich jedenfalls wappnen müssen, denn die Fangemeinde des Hotel Sacher ist wahrhaft zyklopisch. Und darüber, wer den Zuschlag für das eichenfurnierte Souvenir erhält, entscheidet womöglich der schnellere Internetzugang. (kron/DER STANDARD, Printausgabe vom 2.8.2004)

  • Artikelbild
    foto: standard/matthias cremer
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