Nach Wien nun auch Berlin?

15. September 2004, 17:20
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Immer mehr Kommunen tendieren zu Open-Source: Deutsche Hauptstadt stellt Weichen in Richtung - Entscheidung im Herbst - Vorteile für Linux

Nach Wien (der WebStandard berichtete) stellt nun auch Berlin die Weichen in Richtung Linux. Als erster von zwölf Bezirken erwägt Tempelhof-Schöneberg den Wechsel vom Betriebssystem Windows NT auf die Open-Source-Software. Macht das Beispiel Schule könnten auch die anderen elf Bezirksverwaltungen mit insgesamt 25.000 PCs mittelfristig auf Linux umsteigen. Dies berichtet die IT- Wochenzeitung Computerwoche in ihrer aktuellen Ausgabe.

Ähnlich wie in München

Der Grund für die Migrationspläne der Hauptstädter ist, dass die Arbeitsplatzrechner der Berliner Bezirksverwaltungen ähnlich wie in München, fast ausschließlich unter Windows NT 4.0 arbeiten - das allerdings von Microsoft nicht mehr weitergepflegt wird. "Wir sind zum Umstieg verdammt", meint Manfred Piechowski, IT-Manager von Tempelhof- Schöneberg. Ein weiteres Argument ist auch die größere Plattformunabhängigkeit der eingesetzten Software, erklärt er. Darüber hinaus sprechen für eine Umstellung auf Linux im Vergleich zu einer Aufrüstung auf Windows XP auch Kostengründe. Denn 90 Prozent der im Bezirk installierten PCs könnten unter Linux weiter genutzt werden. Windows XP sei aufgrund des dann notwendigen Hardware-Austauschs "keine realistische Alternative", erklärt IT- Bezirks-Manager Piechowski.

Entscheidung im Herbst

Ob sich Tempelhof-Schöneberg tatsächlich zum Pilotanwender für Linux in Berlin entwickelt, wird im Herbst entschieden. So einfach wie in München wird die Beschlussfassung jedoch nicht. Denn in der bayerischen Hauptstadt genügte für die Migrationsentscheidung ein einziger Stadtratsbeschluss, während in Berlin jeder Bezirk eigenständig über seine IT-Strategie entscheidet. Zu bedenken ist dabei auch, dass die Berliner Bezirksverwaltungen mit unterschiedlichen softwaregestützten Fachverfahren arbeiten. Diese sind zum überwiegenden Teil noch nicht unter Linux verfügbar. Der IT- Verantwortliche Piechowski erklärt deshalb gegenüber der Computerwoche, dass in Berlin wohl auf absehbare Zeit ein "Miteinander von Microsoft- und Open-Source-Software existieren" werde.

Eher Microsoft-orientiert

Die IT-Strategie der Berliner Landesregierung, die bislang als eher Microsoft-orientiert galt, ist noch offen. Anfragen blieben unbeantwortet. Nach Informationen der IT-Wochenzeitschrift soll sich aber ein Senatsvertreter während der IT-Leiter-Konferenz Ende August positiv zu den Linux-Plänen geäußert haben. (red)

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